Mittwoch, 17. Dezember 2014
310 - In Erinnerung
Gestern Abend habe ich den Fehler gemacht mir ganz alleine den Film "Zwei an einem Tag" anzuschauen, weiß ich doch genau wie der Film endet. Die Hauptdarstellerin wird überfahren, während sie auf dem Rad unterwegs nach Hause ist. Und es war im Film zu sehen, richtig brutal. Ich hatte gehofft, dass es nur angedeutet wird, dass man es eben nicht so sieht. Aber es war zu sehen und das viel zu genau.

Mein Problem mit dieser ganzen Geschichte ist, dass eine meiner damals besten Freundinnen, eine Freundin, die ich seit dem Kindergarten kannte und die immer zu mir gehalten hat, vor etwas mehr als zwölf Jahren auf dem Nachhauseweg mit dem Rad von einem Auto erfasst und getötet wurde. Gesehen hat von uns die Unfallstelle glücklicherweise keiner und auch wie der Unfall passiert ist weiß keiner ganz genau. Trotzdem kann ich solche Szenen nur sehr schwer sehen. Auch nach über zwölf Jahren zerreist es mich in diesen Momenten. Die ganze Trauer und der Schmerz kommen wieder hoch und hauen mich um.

Diese Freundin war der lebenslustigste Mensch den ich kannte. Wie oft hatte sie mich oder die dritte im Bunde aufgefangen, wenn es uns nicht gut ging. Es gab kaum Momente in denen sie nicht gelacht hat. Ihre Fröhlichkeit war ansteckend und fehlt dieser Welt definitiv.

Das letzte Mal habe ich sie am Ostersonntag früh gesehen. Wir hatten in der Gemeinde zusammen die Osternacht mit anderen Jugendmitarbeitern gefeiert und waren gemeinsam im Frühgottesdienst gewesen. Anschließend an diesen Gottesdienst gab es im Gemeindehaus ein Frühstück, sie ist dort hin, ich nach Hause zum Frühstück mit meiner Familie. Im Park am Fluss trennten sich unsere Wege, ich war schon halb über die Brücke rüber, als sie mir zurief: "Ich hab dich lieb!" Es ist als hätte sie sich dort schon für immer von mir verabschiedet, so im Nachhinein betrachtet. Sicherlich ist es nicht so, keiner hätte sowas gedacht. Aber es ist schön zu wissen, dass sie gerade sowas als letztes zu mir gesagt hat.

Mit den Jahren ist die Trauer anders geworden. Ich trauere immer noch und hasse den Tag ihres Todes. Aber ich habe nicht mehr das Bedürfnis darüber zu sprechen, nicht mehr zu fragen, warum das alles passieren musste. Manchmal, in ganz dunklen Momenten, frage ich mich nur, warum sie und nicht ich. Diese Frage wird mir keiner beantworten können und es ist sicherlich gut, dass ich noch hier bin. Und es ist wichtig immer wieder einen Teil von ihr, von diesem glücklichen, optimistischen und lebensfrohen Menschen in sich zu tragen. Und genau das versuche ich, jeden Tag wieder.