Sonntag, 30. März 2014
047 - Warum Herr und Frau Baehr nicht gemeinsam einkaufen gehen sollten
Herr Baehr und ich sind nicht kompatibel was das einkaufen angeht. Ich gehe sowieso nicht so gerne einkaufen, weil ich es zu anstrengend finde. Mir sind da einfach zu viele Menschen, die mir alle zu nahe kommen. Außerdem strömen lauter Geräusche und Gerüche auf mich ein. Das alles zu verarbeiten und gleichzeitig Berührungen mit Fremden zu vermeiden strengt an und macht schlechte Laune. Ich bin da wohl etwas speziell. Herrn Bbaehr stört das nicht, deswegen ist er im Hause Baehr auch der Chefeinkäufer.

Wenn wir aber zusammen Lebensmittel einkaufen gehen, merkt man wie verschieden wir sind. Ich schreibe mir vor jedem Einkauf eine Liste und packe auch nur das in den Wagen was darauf steht. Außerdem gehe ich nur an die Stellen im Laden, wo sich die Dinge befinden, die ich brauche. Wird ein Laden umgeräumt, ärgere ich mich. Herr Baehr kauft ganz anders ein. Er geht alle Gänge ab und packt alles in ddn Wagen, was er grade denkt, was wir brauchen könnten. Von einer Einkaufsliste konnte ich ihn zum Glück mittlerweile überzeugen (oder vielmehr die Tatsache, das Gerichte sich besser kochen lassen, wenn man alle Zutaten da hat).

Kleidung kaufen ist auch so ein Thema. Wir mögen es beide nicht so gerne, ich geh aber ab und zu schon gerne mal schauen. Aber nur, wenn es nicht so voll ist. Herr Baehr vermeidet den Kleidungskauf, da er zu klein für sein Gewicht ist und somit kaum etwas findet, das passt. Er geht aber auch nicht gerne mit mir schauen. Ich habe ein Problem mich schnell zu entscheiden. Habe ich etwas gefunden, muss ich trotzdrm den ganzen Laden abgehen, um sicher gehen zu können, dass es nichts besseres oder preiswerteres gibt. Da verliert Herr Baehr schnell die Geduld.

Im Baumarkt, den wir im letzten dreiviertel Jahr ja häufiger besucht haben, ist es genau umgekehrt. Da muss Herr Baehr dann schauen, dass er alles gesehen hat und prüfen, ob es nicht noch was besseres gibt. Außerdem schaut er sich jedes Mal die Grillausstellung an, egal, ob wir viel oder wenig Zeit haben. Und das mag ich wieder nicht. Herrn Baehr alleine in den Baumarkt zu schicken ist aber auch ein Risiko. Denn auch da neigt er dazu Dinge zu kaufen, die er grad gesehen hat und von denen er denkt, dass wir sie irgendwann (also nie) gebrauchen könnten. Schokolade kann ich aufessen, deswegen hab ich kein Problem ihn slleine in den Supermarkt zu schicken. Dinge aus dem Baumarkt liegen tendenziell eher nur im Weg rum und sind nicht so leicht zu vernichten. Also muss ich mit.



Freitag, 28. März 2014
046 - Gerüche
Ich bin ja sehr geruchsempfindlich. Frauen mit starkem Parfümgeruch kann ich gar nicht ab, genauso Menschen, die ungepflegt riechen. Ich rieche Dinge, die andere nicht riechen und hab mich oft schon gefragt, ob das normal ist oder ob ich es mir nur einbilde. Herr Baehr meint ich wäre wie ein Spürhund, nutzt meine gute Nase aber immer wieder aus, um feststellen zu lassen, ob man etwas noch essen kann oder nicht.

Manchmal ist so eine gute Nase aber auch nicht schlecht. Jetzt im Frühling zum Beispiel wo alles blüht und eben auch dementsprechend gut duftet. Da könnte ich die ganze Zeit nur einatmen, um all die schönen Gerüche aufzusaugen.

Gestern dann wieder ein ganz besonderes Geruchserlebnis. Ich musste mal wieder zu Fuß vom Kunden zum Hotel laufen, da mal wieder Bus und Bahn bestreikt wurden. Bei dem schönen Wetter auch kein Problem, vor allem führt der Weg durch eine gepflegte Wohngegend mit schön angelegten Vorgärten. An einem der Häuser war die Kellertür geöffnet und aus diesem Keller kam ein so extrem vertrauter Geruch. Es roch genauso wie in dem Keller, in dem wir auf dem schönsten Zeltlager der Welt die Lebensmittel lagern. Es war fast wie ein Schlag, aber ein positiver, der mich in diesen Keller versetzte und so viele schöne Erinnerungen hervorgerufen hat.

Diesen Kellergeruch verbinde ich mit Kindern, die sich nach tagelangem Sträuben endlich für die Dinge, die wir dort tun, öffnen. Mit klatschnassen, frierenden, aber glücklichen Kindern, die ein Bad im Fluß genießen durften. Mit einer wunderbaren Gemeinschaft mit Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Mit dem Ehepaar, dass uns seit Jahren den Platz und den Keller zur Verfügung stellt und uns jedes Jahr mit offenen Armen empfängt. Mit Liedern, Gebeten und Andachten in einem Zelt am Abend. Mit Dixi-Klos, einer Gartenschlauchdusche und Gaskochern. Mit Hitze, kühlem Schatten und Sturm. Es sind tausende Erinnerungen, die dieser eine Geruch hervorgerufen hat. Vor allem hat dieser Geruch eine unglaubliche Sehnsucht hervorgerufen, Sehnsucht nach diesem Ort und der dortigen Gemeinschaft. Schade, dass ich mich dieses Jahr gegen eine Teilnahme entschieden habe. Aber ich kann ja zu Besuch kommen und das werde ich auf jeden Fall tun. Ich freu mich schon jetzt unglaublich darauf.



Donnerstag, 27. März 2014
045 - Der Fleisch-Kunde
Ich bin zur Zeit wieder beim Fleisch-Kunden, also der Kunde, dessen Kantine keine Alternative zu Fleischgerichten anbietet. Somit ist mein Vorhaben, unter der Woche fleischlos zu essen, doch sehr schwierig umzusetzten. Ich will mich ja auch nicht kasteien, habe es heute aber irgendwie doch getan und nur Beilagen gegessen. Nicht besonders lecker und auch nicht besonders satt-machend.

Mir ist nicht klar, warum es für Vegetarier oder Menschen, die weniger Fleisch essen möchten in Kantinen und Lokalen so wenige Alternativen gibt. Gibt es sie ist es meist ein fades Essen, ohne viel Geschmak oder es besteht eben nur aus Beilagen. Alternativ bekommen Vegetarier gerne auch einfach nur Salat angeboten. Dabei gibt es doch so viele Möglichkeiten etwas ohne Fleisch zu machen, dass satt macht und schmeckt. Das würde aber bedeuten, dass die Köche von ihren Standardgerichten, und die werden hier wirklich sehr regelmäßig gekocht, abrücken müssten und was neues lernen müssten.

Vor kurzem gab es auf Vorablesen einen Einblick in das erste Kochbuch von Andi Schweiger, ein vegetarisches Kochbuch von einem Nichtvegetarier. Zu lesen waren die Einleitung und einige Rezepte, die thematisch ins Frühjahr passten. In der Einleitung beschreibt Andi Schweiger, dass er zwar kein Vegetarier ist, jedoch darauf achtet nur wenig und dafür gutes Fleisch zu essen. Eine lobenswerte Einstellung, etwas, was mir noch nicht wirklich gelingt. Außerdem schreibt er, dass er es so schade findet, dass Gerichte für Vegetarier immer irgendwie langweilig sind und das so sein Kochbuch entstanden ist. Neugierig davon habe ich dann durch die Rezepte geschaut und war schon fast wieder enttäuscht, denn das war genau das andere Extrem. Man brauchte nicht nur unmengen an Zutaten, sondern auch viel Zeit und viele verschiedene Küchengeräte. Vielleicht sind ja im Rest des Buchs, der natürlich nicht zu sehen war, noch einige einfache Rezepte. Denn einfache und leckere vegetarische Rezepte braucht es, damit man die Fleischliebhaber überzeugen kann, das auf Fleisch verzichten eben nicht auf Geschmack verzichten heißt.