Mittwoch, 16. April 2014
065 - Rien ne va plus
Ich hatte ja schon lange befürchtet, dass es irgendwann so kommt und jetzt kündigt es sich sehr massiv an. Montag hatte ich einen sehr langen Arbeitstag und war, nach wenig Schlaf, Dienstag dann auch ziemlich fertig. Ich hab für die einfachsten Tätigkeiten ewig gebraucht und konnte mich kaum konzentrieren. Mein Kollege fand es komisch, dass ich so arg auf einen Abend arbeiten reagiere. Ab Dienstag Nachmittag kam dann noch so ein leichtes zittern dazu und eine extreme Müdigkeit. Ich hatte schon Angst auf der Heimfahrt im Zug einzuschlafen und den richtigen Ausstieg zu verpassen. Zum Glück bin ich heil daheim angekommen und hab mich von Herrn Baehr bekochen lassen.

Nach einem Telefonat gestern Abend mit meinen Eltern wurde das Zittern dann stärker. Meine Oma wurde gestern wieder auf die Intensivstation verlegt (ist mittlerweile wieder runter). Mein Vater ist total fertig und weiß nicht wie es weiter geht. Meine Mutter natürlich auch und hat dazu noch eine Nervenentzündung und somit starke Schmerzen. Das macht mir natürlich auch Sorgen.

Wie oben schon geschrieben, ich hatte erwartet, dass irgendwann der Moment kommt, an dem ich nicht mehr kann. Schon das Ende meines Studiums war furchtbar, hat unglaublich viel Kraft gekostet und mich wirklich an meine Belastungsgrenzen gebracht. Danach hatte ich kaum eine Möglichkeit mich zu erholen, denn ich habe fast direkt angefangen zu arbeiten. Dazu kam, dass meine Mutter in der Zeit zwischen Studium und Arbeit sehr krank war und ich mir natürlich Sorgen gemacht habe. Mein Job ist jetzt natürlich auch nicht gerade unbelastend, die viele Reiserei, die unterschiedlichen Kunden mit ihren verschiedenen Ansprüchen, die Zankereien beim Kunden. Das belastet alles sehr und vielleicht jetzt zu sehr.

Erholung wird das Osterwochenende nicht bringen, denn da sind wir alleine schon zweimal bei der Familie von Herrn Baehr eingeladen und einmal bei meiner Familie. Außerdem wollte Herr Baehr noch seine Freunde zum Grillen einladen. Mal sehen, ob ich ihm das wenigstens ausreden kann. Ich brauche einfach mal Zeit für mich und zum ausruhen.



Dienstag, 15. April 2014
064 - Bekannt
Woran merkt man, dass man eindeutig zu viele Nächte in Hotels verbringt? Richtig, die Angestellten kennen einen und wissen genau was man für Eigenarten hat.

Heute Morgen zum Beispiel wurde ich auf dem Weg zum Frühstücksraum mit einem freudigen "Guten Morgen!" von dem Herrn begrüßt, der immer am Eingang des Frühstücksraums steht. Der Kaffee, den ich Morgens trinke, wurde mir auch schon direkt gebracht. Sie fragen schon gar nicht mehr, was ich trinken möchte. Eigentlich auch sehr angenehm.

Genauso vor ein paar Wochen im selben Hotel. Ich buche immer Nichtraucherzimmer, das ist bei uns im Buchungstool auch so vorbelegt. Bei einer der vielen Buchungen habe ich entweder falsch geklickt oder es ist was anderes schief gegangen, jedenfalls hatte ich für eine Nacht ein Raucherzimmer (igitt, dass es sowas überhaupt gibt) gebucht. An der Rezeption wurde mir aber gleich gesagt, dass das doch sicherlich ein Irrtum wäre, ich würde ja nie ein Raucherzimmer buchen. Deswegen hätten sie mich automatisch umgebucht.

Das beste Hotel gibt es aber in einer kleinen Stadt in der Nähe von Heilbronn. Dort betreibt ein älteres, sehr nettes Ehepaar ein kleines Hotel. Zu Beginn meiner vielen Reiserei war ich dort Stammgast und gehörte, gemeinsam mit einem meiner Kollegen, sozusagen zur Hotelfamilie. Der Hotelhund begrüßte uns jedesmal sehr freudig und trauerte, wenn wir mal eine Weile nicht dort waren. Die beiden Besitzer hatten zu unserer Frühstückszeit schon immer alles bereitet, meist ein Croissant für jeden von uns in der Küche zurückgehalten, den Kaffee schon gekocht und die Eier im Wasser. Dort habe ich mich sehr wohl gefühlt und denke gerne an die Zeit zurück. Da macht dann auch viel reisen nicht mehr so viel aus.



Montag, 14. April 2014
063 - Es wird nicht besser
Gestern schon habe ich von meinen Eltern erfahren, dass meine Großmutter wieder im Krankenhaus ist und es ihr, laut meinem Onkel, nicht gut geht. Und grade vor einer Stunde hat meine Mutter mir berichtet, dass sie im sterben liegt. Es ist so unfair, ich wollte doch so gerne, dass sie noch ihre Urenkel erlebt.

Meine Oma ist eigentlich nicht meine Oma, sie ist meine Stiefoma. Da mein Stiefvater aber eigentlich wie mein Vater ist, ist meine Oma eben meine Oma. Sie hat nie einen unterschied zwischen mir, meiner Schwester, meinen Stiefgeschwistern und meinem Stiefcousin gemacht. Wir haben immer den gleichen Geldbetrag zu Weihnachten und Geburtstagen bekommen. Sie hat von Anfang an gesagt, dass sie die Oma ist, für uns. Sie hat uns als ihre Enkel angenommen. Sie war/ist meine einzige richtige Oma. Meine richtigen Großeltern hatten nie ein Interesse an uns Kindern.

Meine Oma war bis zu letzt sehr fit. Wir haben immer Witze gemacht, dass sie uns alle überlebt, dass sie ewig alt wird und noch ganz viel mitbekommen wird. Meine Oma war davon irgendwie auch überzeugt. Wenn man das Thema Alter und Krankheit angesprochen hat, hat sie immer gesagt, dass sie darauf keine Lust hat und einfach tot umfällt bzw. einschläft. Anscheinend macht sie das jetzt auch. Die Krankheit hat sie ziemlich plötzlich stark geschwächt. Sollten die Ärzte es irgendwie hinbekommen, dass sie weiter lebt, wird sie ein Pflegefall. Ich wünsche meiner Oma das nicht, das wollte sie nie. So traurig es für mich ist, für sie ist es besser, wenn sie schnell sterben kann und nicht lange leiden muss.

Grade habe ich noch Herrn Baehr angerufen, um ihm zu berichten wie der aktuelle Stand ist. Der hatte plötzlich eine ganz belegte Stimme und fing an zu weinen. Er musste an den Tag des Todes seiner Oma denken, die ihm und seinen Geschwistern viel bedeutet hat. Sie ist damals nach langer Krankheit (Demenz) endlich gestorben. Für die Angehörigen traurig, für sie eine Erlösung. Und Herr Baehr weiß wie viel mir meine Oma bedeutet. Gestern, als wir erfahren hatten, dass es ihr schlechter geht und sie vielleicht bald viel Hilfe braucht, hat er schon Pläne gemacht, wann wir zu ihr fahren können. Wegen solcher Gedanken liebe ich Herrn Baehr.