096 - Frau Baehr fährt wieder Rad
Ich habe mir heute ein neues Fahrrad gekauft. Eines mit extra tiefem Einstieg und so gebaut, dass ich ganz grade darauf sitzen kann. Dieses hier:
So ein Rad passt eigentlich gar nicht zu mir. Ich weiß noch, als es darum ging, dass ich endlich ein Erwachsenenrad bekommen sollte, hatten meine Eltern beschlossen, dass sie für mich eins aus dem Otto-Katalog bestellen. Alle meine Freundinnen hatten schon eher ein neues großes Rad aus dem örtlichen Fahrradladen bekommen. Alle hatten Mountainbikes, ganz schick, mit ganz vielen Gängen. Alle von ihnen waren eher so die Straßenfahrer, ich fuhr eigentlich überall. Und was kauften meine Eltern? Ein Cityrad! Ich hab dieses Rad gehasst. Zum Glück ist es recht schnell kaputt gegangen, die Reperatur wäre viel zu teuer gewesen.
Somit habe ich dann Erwachsenenfahrrad zwei bekommen. Auch wieder aus besagtem Katalog. Diesmal aber ein Mountainbike, oder sowas in der Art. Auch mit mehr Gängen als das alte. Aber auch die Frauenvariante, was mir damals so gar nicht gefallen hatte. Ich wollte so gerne ein Männerrad, das wollte meine Mutter aber nicht. Aber auch dieses Fahrrad hatte ich nicht lange, da mich ein Porsche anfuhr (und ich beweisen konnte, dass mein Kopf härter und stabiler ist als die Frontscheibe eines Porsches). Das Rad hatte einen Totalschaden und somit musste ein neues her.
Und da ich damals schon 18 gewesen bin, durfte ich mir von meinem eigenen Geld ein Rad kaufen was meinen Vorstellungen entsprach. Da ich aber auch sehr geizig war, wurde es wieder eins aus dem Otto-Katalog. Aber diesmal ein Männerrad, Mountainbike. In silber, ohne Schutzbleche, ohne Gepäckträger, ohne Licht. Der Alptraum meiner Mutter. Ein wenig aufgemotzt war es dann ein wirklich tolles Rad, dass mich bis jetzt begleitet hat. Gefahren bin ich es sehr viel, zu Studienzeiten bei fast jedem Wetter zur Uni und wieder zurück.
Doch dann bin ich bei Herrn Baehr eingezogen und das Rad kam in den Keller. Das war ein schmaler Schlauch und das Rad konnte nur aus dem Keller geholt werden, wenn man die Tür aushing (oder heißt es aushängte, zu spät für mich...). Herr Baehr hatte sein Rad gar nicht mitgenommen und so blieb meins dann auch im Keller. Das letzte Mal wurde es letztes Jahr bei unserem Umzug bewegt und steht jetzt in der Gartenhütte. Ich hab schon fast ein schlechtes Gewissen.
Heute waren wir dann in einem Fahrradgeschäft und ich hab mich beraten lassen. Es muss ja jetzt was sein, wo ich aufrecht sitze, dass aber viele Gänge hat. Und, ganz wichtig, dass einen niedrigen Einstieg hat. Also kam noch nicht mal ein klassisches Damenrad in Frage. Zuerst hab ich mit mir gerungen, aber die Lust aufs Radfahren war einfach zu groß. Und es macht Spaß, getestet hab ich das Rad daheim natürlich auch.
Und Herr Baehr? Der war mit dem Entschluss mitgekommen, dass er ja irgendwann mal schaut, aber bestimmt heute nicht. Er weiß ja noch gar nicht, ob er dann auch fahren will. Und dann schlug seine Stimmung um. Zuerst ist er nur die Reihen mit den Rädern abgegangen und hat mal so geschaut. Dann hat er den Verkäufer angesprochen und ist ne Runde Probe gefahren. Und schließlich sind wir raus, mit einem neuen Rad und einem, dass zur Probefahrt bestellt ist. Ich fände es toll, wenn Herr Baehr sich auch wieder ein Rad zulegt. Wo wir dann alles hinfahren könnten...
frau_baehr am 18. Mai 14
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095 - Geduld
Ich bin dafür bekannt nicht besonders geduldig zu sein. Wenn was nicht so funktioniert wie ich es mir vorgestellt habe, kann ich sehr gut einen Wutanfall bekommen. Also so einen Wutanfall, wie ihn kleine Kinder an der Supermarktkasse bekommen, wenn sie unbedingt irgendwas von den überteuerten Süßigkeiten haben wollen.
Während meinem Studium hab ich zwei Mäuse gelyncht (Computermäuse, keine echten!). Immer wenn am Rechner was nicht so ging wie es sollte, wurde die Maus vor Wut auf den Tisch geknallt. Ein Wunder, dass ich nicht auch noch den Schreibtisch zerstört habe, der hat nämlich eine Glasplatte.
Heute war meine Geduld auch wieder auf eine harte Probe gestellt. Ich habe von daheim gearbeitet (aus dem Bett, um genau zu sein) und somit komplett an meinem Dienstlaptop. Der ist sowieso schon sehr schwach auf der Brust. Warum eine IT-Beratung ihren Mitarbeitern sowas antut, verstehe ich nicht. Das die reinen Berater, also die Power Point-Ersteller, nichts gutes brauchen ist mir klar, aber sobald man über Programmierung in irgend einer Art spricht, muss der Rechner schon was können. Meinen hab ich also mit zusätzlichem RAM nachgerüstet, damit ich überhaupt alles zum Laufen bringe. Und trotzdem ist er langsam, extrem langsam, unglaublich langsam. Heute besonders. Ständig ist er "eingefroren", ständig war der Mauszeiger weg. Und alle Programme haben ewig gebraucht. Ich hasse es, wenn der Text den ich schreibe, nur mit Verzögerung auftaucht.
Aber immerhin habe ich mich mittlerweile wirklich gut im Griff. Ich habe kaum noch Wutanfälle. Ich atme jetzt 10 Mal tief durch und surf kurz im Internet (wenn das noch geht), oder koche mir einen Tee, oder bring den Tee wieder weg, oder... Da fällt mir schon was ein. So geht der Tag auch rum.
frau_baehr am 17. Mai 14
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094 - Jeder weiß was
Und vor allem weiß es jeder besser. Ich hab zur Zeit wieder extreme Rückenschmerzen. Kann kaum stehen oder gehen und auch sitzen funktioniert nicht so lange wie ich es gerne möchte. Wenn ich jemandem von meinem Rücken erzähle, dann kommen die unterschiedlichsten Reaktionen.
1. Ich hab auch Rückenschmerzen. Blabla... Das sind dann die Leute, die ewig lang erzählen, wie schlimm es ihnen doch geht. Es zwickt da nämlich ab und zu so ein bisschen im Rücken. Ganz furchtbar übrigens. Da sind meine Schmerzen schnell vergessen.
2. Ich kannte da mal jemanden, der hatte auch einen Bandscheibenvorfall und dem hat super geholfen
a) ganz viel Sport
b) gar kein Sport
c) sich einrenken lassen
d) Massagen
e) Akkupunktur
usw. Super, was davon ist aber das richtige für mich. Schlimm ist es, wenn die Leute dann fast beleidigt sind, wenn man sagt, dass man es erst ausprobieren möchte, wenn man es mit dem Arzt abgeklärt hat.
3. So kann das doch nicht weitergehen. Meine Mutter sagt das sehr gerne. Mal in einem mitleidigen Ton, mal ermahnend. Gerne wird dann noch hinterhergeschoben, dass ich doch auch wirklich am Ball bleiben muss. Das kann doch so wirklich nicht weiter gehen. Das sollten diese Leute mal dem Arzt sagen, der mich immer wieder wegschickt.
4. Ich kann dich verstehen, ich hatte selbst einen Bandscheibenvorfall. Diese Schmerzen sind furchtbar. Danke, diese Antwort gefällt mir. Bei allen anderen fühle ich mich oft so missverstanden, oder habe das Gefühl ein Hypochonder zu sein.
frau_baehr am 16. Mai 14
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093 - Wenn man aneinander vorbeiredet
Heute ein herrliches Gespräch mit dem Kollegen per Telefon geführt:
Kollege: Wenn du magst, auf meinem Schreibtisch hier liegt ganz viel Tee, den hab ich angeschleppt, weil hier so wenig war. Kannst dir gerne was nehmen, wenn du kommst.
Frau Baehr: Ich weiß gar nicht wann ich das nächste Mal wieder in der Stadt am Rhein bin.
Kollege: Wieso?
Frau Baehr: Wir hatten doch darüber gesprochen, dass ich nur an der unheimlich komplizierten Sache arbeite und es deswegen keinen Sinn macht dorthin zu fahren.
Kollege: Das hängt ja davon ab, wie es deinem Rücken geht. Wie geht es dem denn?
Frau Baehr: Naja, nicht so gut, ich ignoriere ihn gerade. Aber ich hoffe, dass es bis nächste Woche besser ist. Aber da sollte ich ja eh nicht kommen.
Kollege: Darüber hatten wir aber noch nicht gesprochen.
Frau Baehr: Doch, Montag. Da hattest du gesagt ich arbeite nur an der unheimlich komplizierten Sache und muss nicht kommen.
Kollege: Wir haben doch gestern gesprochen und da hast du gesagt, du musst mal schauen, wie es mit deinem Rücken ist.
Frau Baehr: Nein, wir haben doch Montag darüber gesprochen, gestern haben wir doch nur besprochen, dass ich diese Woche nicht komme. Moment, von welcher Woche sprichst du?
Kollege: Von dieser.
Frau Baehr: Das klärt so einiges, ich spreche von nächster Woche.
Kollege: Ich dachte nämlich, du denkst noch darüber nach diese Woche zu kommen, nur eben heute nicht.
Frau Baehr: Nein, ich komme diese Woche auch nicht, das lohnt sich nicht mehr. Morgen feiert doch mein Vater Geburtstag, da hätte ich ja eh früher wieder heimreisen müssen.
Kollege: Achso, so ein Kommunikationsproblem ist schon lustig. Naja, dann trink ich den Tee alleine.
frau_baehr am 14. Mai 14
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