177 - Der Mengenstreit
Ich bin grade noch damit beschäftigt meinem Arbeitszimmer die Schulungsunterlagen zur morgigen SQL-Schulung vorzutragen. Nun ist es ja so, dass ich Mathematik studiert habe und, obwohl ich das schon eine ganze Weile nicht mehr mache, bei Mathematik keinen Spaß verstehe und alles sehr genau nehme. Mathematik ist logisch, Tatsache folgt auf Tatsache. Es kann nichts interpretiert oder ausgelegt werden. Und es ist nichts irgendwie ungefähr.
Informatiker (und davon ist Herr Baehr einer) nehmen die Mathematik nicht ganz so ernst. Anscheinend auch der Kollege, der die Schulungsunterlagen erstellt hat. Da ich nun aber unsicher war, ob ich da wirklich einen Fehler entdeckt hatte, das Studium liegt ja doch schon ein paar Jährchen zurück, zitierte ich Herrn Baehr ins Arbeitszimmer. Er besah sich mein Problem und entschied, alles korrekt.
Ich war entsetzt und bin bis jetzt überzeugt, dass ich Recht habe. Naja, mathematisch wäre das sicherlich falsch, räumte Herr Baehr ein. Das der Teil, der nicht in der Schnittmenge liegt in der Graphik aber so eingezeichnet ist, wäre ja nicht so richtig. Aber andererseits ginge es hier ja um die Vereinigung, es ist ja sowieso alles hinterher in einem Topf, da ist es ja egal wo. Nachdem er mir das mit irgendwelchen wirren Beispielen nicht erklären konnte, holte er Bücher aus dem Regal. Aber auch da, die Bücher von unterschiedlichen Autoren, bleiben Bücher von unterschiedlichen Autoren, auch wenn ich sie in ein Regal stelle oder auf einen Stapel lege. Das sah Herr Baehr auch ein, aber man könne das ganze ja auch mit der Umschlagfarbe erklären. Aber auch hier, wenn man weiße, blaue und rote Bücher nimmt. Weiß und blau von Autor A, weiß und rot von Autor B, so sind in der Vereinigung, also im Regal, rote, weiße und blaue Bücher. Trotzdem bleibt das blaue Buch ein blaues Buch und eins von Autor A.
Jetzt ist Herr Baehr sauer, weil er meint ich muss immer Recht haben. Ich habe aber in diesem Fall recht, denn es ist logisch und nicht wischi-waschi. Jetzt überlege ich, ob ich das Morgen in der Schulung anspreche und dem Kollegen, der die Schulung mit mir hält erkläre, oder ob ich es lieber lasse. Bisher kenne ich ihn noch nicht und will ihn ja nicht gleich vergraulen.
frau_baehr am 06. August 14
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176 - Lustige Deutschstunde in der Bahn
Auf der Heimfahrt im Zug wurde ich heute gut unterhalten. Im Vierersitz neben mir und auf den zwei freien Plätzen bei mir nahm eine italienische Familie und eine Frau aus der Gegend Platz. Eines der Kinder der italienischen Familie schlief auf dem Schoß der Mutter und so kamen die Frau und die Mutter ins "Gespräch".
Die italienische Familie konnte nur ein paar Brocken deutsch und die Kinder noch ein wenig englisch. Also wurden Worte beigebracht. "Kind schläft" wurde von allen brav wiederholt, bis es auch für unsere Ohren nach genau diesen zwei Worten klang. Dann wurden die Worte "groß" und "klein" geübt, was so einige Lachanfälle mit sich brachte. Den Italienern fiehl es enorm schwer das "r" nicht zu rollen. Nachdem die beiden Worte saßen wurde noch das Wort Mädchen geübt. Schließlich nannten sie alle noch ihr Alter und ihre Namen in einer Mischung aus allen Sprachen.
Kurz vorm Ziel stellten sie fest, dass sie im gleichen Ort wohnten. Eines der Kinder erklärte mit vielen Gesten und einer Mischung aus Deutsch und Englisch, dass die Familie in dem Ort ein Haus suche. Die Frau bot an sich umzuhören und notierte der Familie ihre Telefonnummer.
Ich wäre beinah mit ausgestiegen, nur um zu erfahren wie es weitergegangen ist.
frau_baehr am 06. August 14
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175 - Orientierungssinn
Ich habe definitiv nicht den Orientierungssinn meiner Mutter geerbt, denn ich bin durchaus in der Lage mich zu orientieren. Meine Mutter leider weniger. Heute war ein Treffen mit ihr angesetzt, erst gemeinsames Frühstück im Cafe und dann ein Schuhkauf. Wir verabredeten uns in der Stadt, in der Herr Baehr und ich bis vor einem Jahr noch gewohnt hatten und die meine Mutter kennt.
Erster Anruf gegen neun Uhr, sie fährt jetzt los. Ich hatte sie am Vortag angewiesen auf dem großen Parkplatz vor der ehemaligen Wohnung zu parken. Da ich schon vor ihr dort war, konnte ich ihr gleich mitteilen, dass es den Parkplatz nicht mehr gibt, sie aber in der Straße direkt parken kann, denn dank Sommerferien gab es massig Parkplätze. Sie wollte noch wissen, wie sie von dort denn in die Innenstadt finden würde. Ich erklärte es ihr, ziemlich einfach.
Kurz vor zehn der nächste Anruf. Sie würde den großen Parkplatz nicht finden. Außerdem stünde sie vor der alten Wohnung, aber da wären keine Parkplätze. Ich wunderte mich schon, dass zu dieser Zeit noch so viele Autos gekommen waren, möglich war es aber. Nach kurzem hin und her stellte ich fest, meine Mutter war immer noch der Überzeugung es gäbe einen Parkplatz, der irgendwie zur Wohnung gehörte und nicht einen Parkplatz am Straßenrand. Missverständnis beseitigt, Auto geparkt. Sie wäre dann gleich da.
Ewigkeiten später kam sie. Aus der anderen Richtung als erwartet. Sie wäre immer Richtung Bahnhof gelaufen, nur die Straße von der ich gesprochen hätte, die wäre nicht gekommen. Aber vom Bahnhof aus wusste sie den Weg. Zum Glück. Das ich ihr gesagt hatte, Richtung Bahnhof die Straße runter und dann die nächste Möglichkeit links und dann (!) kommt die Straße, ach egal, sie ist ja angekommen.
Ein Navi hilft bei ihr leider auch nur bedingt, obwohl ich ihr das jetzt auch fürs laufen vorgeschlagen habe. Und das gar nicht aus Boshaftigkeit oder weil ich mich über sie lustig mache, sondern weil ich das in fremden Städten selbst oft nutze und sehr dankbar für diese Funktion bin. Meine Mutter sollte das dann nur auf bekannten Strecken üben. Mit dem Autonavi hatte es auch eine Weile gedauert, bis sie zurecht kam. Sagte das nämlich, sie solle rechts abbiegen, kam es am Anfang schon vor, dass sie auch mal in eine Einfahrt einbog.
Ich habe meine Mutter übrigens sehr lieb und hatte, nachdem sie dann angekommen war, einen super tollen Tag mit ihr.
frau_baehr am 04. August 14
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