Freitag, 29. August 2014
200 - Small Talk
Wenn es etwas gibt, dass ich nicht gut kann, dann sind es spontane Gespräche über Belanglosigkeiten, also Small Talk. Ich musste mit der Zeit erst lernen, dass jemand, der nach meinem Wohlbefinden fragt, keine ehrliche Antwort erwartet sondern nur hören möchte, dass es mir gut geht. Erwartet wird dann meistens, dass man ebenfalls fragt, wie es dem anderen geht. Sind diese Nettigkeiten aber ausgetauscht, weiß ich oft nicht weiter. Mir fällt nichts ein, was ich erzählen könnte oder was ich fragen könnte. Ich kann keine lustigen Geschichten einfach so erzählen. Ich bin jetzt auch nicht der Typ, der stundenlang redet (außer mit Herrn Baehr). Ich sehe einfach keinen Sinn darin, ständig Dinge auszusprechen, die nicht wichtig sind.

Gestern hatte ich wieder eine Situation in der gerade der Small Talk sehr gefragt war. Ein anderes Projekt hatte mich und einige andere Kollegen zum Abendessen eingeladen um uns besser kennenzulernen und evtl. für das Projekt zu gewinnen. Ich bin sehr interessiert an dem Projekt, da es hier in der Nähe ist und ich dort eine lange Zeit bleiben könnte. Es war klar, dass in dieser Essenssituation nicht nur über mein Können und meine bisherige Erfahrung gesprochen werden würde. Darüber zu sprechen fällt mir zwar auch nicht leicht, ich habe aber in den letzten Jahren gelernt genau das zu sagen, was ich auch kann und mich nicht immer schlechter zu machen.

Vorbereiten kann man sich auf so einen Abend leider auch nicht. Witze oder sowas auswendig zu lernen ist völlig albern, das geht wahrscheinlich eher nach hinten los. Deswegen habe ich versucht einfach ich zu sein, denn so wie ich bin, werde ich auch im Projektalltag sein. Und da die Leute sehr nett waren, sehr aufgeschlossen und sehr viele Fragen gestellt haben, habe ich nicht nur schweigend mit dabei gesessen.

Anstrengend war der Abend aber allemal. Die vielen fremden Leute, die vielen Fragen, die Lautstärke und die körperliche Nähe (ich hasse Berührungen von fremden Personen) haben mich ganz schön geschafft. Trotzdem denke ich, dass ich mich ganz gut verkaufen konnte und hoffe, dass sich die ganze Mühe gelohnt hat. Nächste Woche weiß ich hoffentlich mehr.



Donnerstag, 28. August 2014
199 - Abschied vom Kollegen
Vor über drei Jahren traf ich den Kollegen zum ersten Mal. Er war gerade dabei ein Team zusammenzustellen und ich sollte das vierte und letzte Mitglied werden. Zu diesem Zeitpunkt war für mich noch fast alles neu. Ich hatte gerade erst gelernt wie man programmiert, von allem anderen hatte ich keine Ahnung. Deswegen war mein Gedanke nach unserem ersten Gespräch auch nur, dass er hoffentlich jemand anderen für das Team finden möge. Hat er aber nicht. Ich hatte, wie auch immer, überzeugt.

Und somit begann das, worauf ich eigentlich so gar keine Lust hatte. Reisen, in Hotels übernachten, ständig woanders sein. Die erste Reise ging direkt nach England, London. Gemeinsam mit einem Kollegen, den ich nicht kannte und der ganz entspannt eine halbe Stunde vor Abflug am Flughafen eintrudelte. Ich bin kein entspannter Reisender, ich muss alles genau wissen. Unsicherheiten wie einen unbekannten Kollegen vielleicht irgendwo am Flughafen zu treffen ist so gar nicht mein Ding.

Der Start war also aus meiner Sicht holprig, alles andere war optimal. Ich bin mir nicht sicher, ob ich ohne dieses Projekt und ohne diesen Kollegen heute noch in der Firma arbeiten würde. Ich habe unglaublich viel gelernt in dieser Zeit und auch unglaublich viel erlebt.

Vor gut einem Jahr wurde das Team verkleinert, von vier auf zwei Personen. Nur der Kollege und ich blieben übrig und schon da tat ich mir mit der Veränderung schwer. Auch die beiden anderen Kollegen waren mir ans Herz gewachsen. Wir hatten gemeinsam in unserem kleinen Lieblingshotel Fußball auf dem Zimmer geschaut, bei Wein und Salzstangen. Waren gemeinsam Segeln in Holland und Wandern in Italien. Haben gemeinsam viel zu viel getrunken und gut gekocht. Und natürlich haben wir sehr viele Stunden gemeinsam gearbeitet. Und zwar immer sehr gut miteinander gearbeitet.

Ab Montag halbiert sich das Team wieder. Ich bleibe als letzte übrig, räume noch auf und mache dann Mitte Oktober das Licht aus, bildlich gesprochen. Der Kollege, der mich damals ins Team geholt hat und mit dem ich so unglaublich viele kritische, stressige aber auch lustige Momente bei Kunden durchlebt habe, macht sich Montag auf den Weg rund um die Welt. Alle Dinge sind geregelt, alle offenen Punkte übergeben, es bleibt also nur noch sich zu verabschieden. Es ist traurig solch ein Abschied und er wird es im Oktober nochmal sein. Ich denke gerne an diese drei Jahre zurück, freue mich aber auch auf neues.



Mittwoch, 27. August 2014
198 - Vögel
Ich bin ja ein riesiger Vogelfan. Wenn man mir eine Freude machen will, muss man mir irgendetwas mit Vögeln zeigen. Außerdem mag ich es total gerne die Vögel im Garten zu beobachten. So kann es schonmal passieren, dass ich vergesse weiter zu essen, weil ich im Garten irgendeinen tollen Vogel entdeckt habe.

Von meinem Schreibtisch aus sehe ich einen Teil des Garagendachs, die Hecke des Nachbarn und einen Holunderbaum. Die Vögel hier in der Gegend lieben diese Ecke. Vom Garagendach holen sie sich Moos und Flechten für ihre Nester. In der Hecke scheinen sie sich oft zu verstecken, gerade bei Regen. Und der Holunderbaum bietet schön viele leckere Beeren. Somit bin ich beim arbeiten oft abgelenkt, weil ich mir die Amselkämpfe am Rande des Garagendachs anschauen muss. Oder ein Rotschwänzchen, das durch die Hecke hüpft.

Seit neustem haben wir aber auch etwas größere Besucher. Turmfalken, wahrscheinlich Jungvögel. Sie haben sich den Dachbalken genau über meinem Bürofenster als neuen Sitzplatz erwählt. Warum gerade da ist mir ein Rätsel. Und warum nicht der zweite Balken, der da oben noch rausschaut, weiß ich auch nicht. Einerseits finde ich es toll, dass diese putzigen Kerlchen so nah kommen. Andererseits ist es schon echt eklig, wenn die Gießkanne, die zufällig unter dem Balken stand, ihre Farbe von grün zu Vogelkackeweiß ändert. Mal sehen wann sie die erste Maus bringen.