Freitag, 10. Oktober 2014
242 - Bitte nich noch einmal
Die Vögel hassen die Türklingel. Klingelt jemand an der Tür schreien sie und, wenn sie draußen sind, fliegen panisch los. Es ist egal wie die Klingel ist, das war schon in der alten Wohnung so, aber auch in der WG und alle Klingeln haben anders geklingelt. Es ist wohl der plötzliche doch recht laute Ton, der sie so erschreckt. Das Telefon dagegen ist kein Problem, das wird im Zweifel nur ausgeschimpft, wenn es anfängt zu klingeln, wenn die beiden grad schlafen.

Heute klingelten die Zeugen Jehovas an der Tür. Während ich die Treppe runter lief hörte ich einen Schlag und schon saß mir die Panik im Nacken. Die Vögel waren draußen und ich hatte sie schon beim runterlaufen panisch fliegen und schimpfen gehört. Der Hahn ist ein sicherer Flieger, auch wenn er nicht viel fliegt. Er fliegt nirgendwo gegen und schafft es auch immer dort zu landen wo er landen möchte. Die Henne ist eine schlechte Fliegerin, fliegt kaum und wenn dann verliert sie oft an Höhe. Hängt sicherlich mit ihrer Krankheit zusammen, sowas wie Asthma beim Menschen. Aber auch mit ihrer Faulheit und somit sehr untrainierten Muskeln. Da ich sie aber nicht zum Fliegen zwingen will, was ja scheuchen und erschrecken bedeuten würde, akzeptiere ich einfach, dass sie so untrainiert ist. Die Möglichkeit zu fliegen bekommt sie.

Ich hab also die Zugen Jehovas abgewimmelt und bin ins Wohnzimmer. Wie befürchtet saß die Henne direkt vor der Wohnzimmertür, versuchte wegzufliegen als sie mich sah und landete unter dem Käfig. Dort habe ich sie dann auch mit dem Kescher aufgesammelt und auf die Anflugklappe gesetzt. Und dann bin ich panisch geworden.

Als ich bei Herrn Baehr eingezogen bin hatte ich noch eine andere Henne. Sie war auch keine gute Fliegerin, wir hatten den Eindruck, dass sie nicht richtig sieht. Eines Tages war ich anscheinend unvorsichtig, hatte die Tür zum Schlafzimmer, das in der alten Wohnung direkt vom Wohnzimmer abging, nicht richtig geschlossen und sie flog in ihrer Panik dort rein und gegen ein Fenster. Sie atmete ganz flach und ich wusste sofort dass da was nicht in Ordnung ist. Herr Baehr und ich haben sie Abends zum Tierarzt gebracht und dort ist sie dann leider auch gestorben.

Jetzt habe ich Angst, dass sich dieser Horror wiederholt. Der Schlag war echt laut, liegt vielleicht auch an der Tür. Es ist eine Plexiglasscheibe, die dort drin ist, unterteilt durch Streben. Eigentlich sollte das reichen und die Vögel sollten erkennen, dass sie da nicht durch können. Eigentlich. Ich habe Angst, dass sie sich was getan hat, dass innerlich irgendwas verletzt ist, was wir nicht sehen können. Zur Zeit schläft sie, der Hahn an ihrer Seite. Hoffen wir, dass wir alle mit dem Schreck davon kommen. Ich könnte mir das nicht verzeihen, dass es ein zweites Mal passiert.



Donnerstag, 9. Oktober 2014
241 - Ich will mehr lesen
Ich lese sehr gerne, hab aber die sehr schlechte Angewohnheit ständig vor dem Fernseher zu hängen, wenn ich Zeit habe. In letzter Zeit fällt es mir auch immer schwerer mich auf ein Buch zu konzentrieren oder nicht nach drei Seiten einzuschlafen. Nicht etwa weil die Bücher so schlecht sind, sondern weil ich irgendwie Abends ausgelaugt bin, egal was ich tagsüber gemacht habe. Mich nervt es aber, dass ich sozusagen vor der Glotze verdumme. Deswegen möchte ich mehr lesen. Ich weiß nur noch nicht wie ich das angehen kann. Angefangen hab ich jetzt mal damit mir lauter Bücher rauszusuchen, die ich unbedingt lesen will. Vielleicht ist das ja ein Anreiz.



Mittwoch, 8. Oktober 2014
240 - Undankbarkeit
Irgendwie habe ich so das dumpfe Gefühl, dass meine Kollegen aus der Partnerfirma meinen Ausstieg nächste Woche einfach so verstreichen lassen. Über drei Jahre habe ich nun mit ihnen zusammengearbeitet. Wie es so ein Businesskasperleben eben mit sich bringt habe ich mit dem ein oder anderen in manchen Phasen mehr Zeit als mit Herrn Baehr verbracht. Ich habe viel gelernt und anscheinend auch viel wertvolle Arbeit geleistet. Man hatte ja mitte des Jahres sogar versucht mich abzuwerben.

Als der Kollege auf Weltreise aufgebrochen ist hat mir der Vorgesetzte aus der Partnerfirma noch lang und breit am Telefon erklärt man hätte ja so gerne noch ein gemeinsames Abschiedsessen oder ähnliches organisiert um ordentlich Danke zu sagen, aber es waren ja überall Sommerferien und so viele der Kollegen im Urlaub. Hätte man was geplant, hätten vielleicht nicht alle Kollegen anwesend sein können, einige jedoch mit Sicherheit.

Jetzt sind Herbstferien, in NRW zumindest schonmal. Da ist wahrscheinlich auch wieder keiner da und deswegen kann man sich nicht bedanken oder verabschieden. Vielleicht tue ich ihnen auch allen unrecht und sie melden sich noch. Oder wird erwartet, dass ich eine sentimentale Mail verfasse? Das kann ich nicht und weiß auch nicht, ob ich es machen werde. Ich finds nur irgendwie undankbar nach so einer langen Zeit. Bestätigt immer mehr meinen Entschluss nicht dorthin gewechselt zu haben.