310 - In Erinnerung
Gestern Abend habe ich den Fehler gemacht mir ganz alleine den Film "Zwei an einem Tag" anzuschauen, weiß ich doch genau wie der Film endet. Die Hauptdarstellerin wird überfahren, während sie auf dem Rad unterwegs nach Hause ist. Und es war im Film zu sehen, richtig brutal. Ich hatte gehofft, dass es nur angedeutet wird, dass man es eben nicht so sieht. Aber es war zu sehen und das viel zu genau.
Mein Problem mit dieser ganzen Geschichte ist, dass eine meiner damals besten Freundinnen, eine Freundin, die ich seit dem Kindergarten kannte und die immer zu mir gehalten hat, vor etwas mehr als zwölf Jahren auf dem Nachhauseweg mit dem Rad von einem Auto erfasst und getötet wurde. Gesehen hat von uns die Unfallstelle glücklicherweise keiner und auch wie der Unfall passiert ist weiß keiner ganz genau. Trotzdem kann ich solche Szenen nur sehr schwer sehen. Auch nach über zwölf Jahren zerreist es mich in diesen Momenten. Die ganze Trauer und der Schmerz kommen wieder hoch und hauen mich um.
Diese Freundin war der lebenslustigste Mensch den ich kannte. Wie oft hatte sie mich oder die dritte im Bunde aufgefangen, wenn es uns nicht gut ging. Es gab kaum Momente in denen sie nicht gelacht hat. Ihre Fröhlichkeit war ansteckend und fehlt dieser Welt definitiv.
Das letzte Mal habe ich sie am Ostersonntag früh gesehen. Wir hatten in der Gemeinde zusammen die Osternacht mit anderen Jugendmitarbeitern gefeiert und waren gemeinsam im Frühgottesdienst gewesen. Anschließend an diesen Gottesdienst gab es im Gemeindehaus ein Frühstück, sie ist dort hin, ich nach Hause zum Frühstück mit meiner Familie. Im Park am Fluss trennten sich unsere Wege, ich war schon halb über die Brücke rüber, als sie mir zurief: "Ich hab dich lieb!" Es ist als hätte sie sich dort schon für immer von mir verabschiedet, so im Nachhinein betrachtet. Sicherlich ist es nicht so, keiner hätte sowas gedacht. Aber es ist schön zu wissen, dass sie gerade sowas als letztes zu mir gesagt hat.
Mit den Jahren ist die Trauer anders geworden. Ich trauere immer noch und hasse den Tag ihres Todes. Aber ich habe nicht mehr das Bedürfnis darüber zu sprechen, nicht mehr zu fragen, warum das alles passieren musste. Manchmal, in ganz dunklen Momenten, frage ich mich nur, warum sie und nicht ich. Diese Frage wird mir keiner beantworten können und es ist sicherlich gut, dass ich noch hier bin. Und es ist wichtig immer wieder einen Teil von ihr, von diesem glücklichen, optimistischen und lebensfrohen Menschen in sich zu tragen. Und genau das versuche ich, jeden Tag wieder.
frau_baehr am 17. Dezember 14
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309 - Erstaunliche Übereinstimmung
Das der Kinderwunsch bei mir und Herrn Baehr unterschiedlich stark ausgeprägt ist, ist sicherlich nicht erstaunlich. Ich bin eine Frau, bin also auch diejenige, die schwanger wird und das alles auch körperlich erlebt. Außerdem gehöre ich zu dem Typ Mensch, der alles bis ins kleinste Detail plant und durchdenkt. Ich habe mir also zu diesem Thema schon eine Menge an Gedanken gemacht.
Herr Baehr dagegen lässt das alles eher auf sich zukommen. Ich glaube, einerseits möchte er noch gar nicht so konkret nachdenken, weil er Angst hat, dass es doch doof werden könnte. Andererseits ist er aber auch nicht derjenige, der jeden Monat (bzw. alle vier Wochen) in sich reinlauscht und irgendwelche Zieperlein deutet. Das er aber ein Kind möchte, ist seit dem letzten Tantenbesuch klar, die Enttäuschung, mit der keiner von uns beiden gerechnet hatte, war plötzlich auch bei ihm da.
Da ich mich so ausführlich mit diesem Thema beschäftige und mich leicht in die Sache hineinsteigere (das kann ich auch besonders gut, ich hab ja sowieso im Moment nicht wirklich was anderes zu tun), habe ich mir ein Buch zu unerfülltem oder länger dauerndem Kinderwunsch ausgeliehen. Dort wurde beschrieben, dass sich der Wunsch nach einem eigenen Kind und einer Schwangerschaft irgendwann in den Wunsch nach einem Menschen wandelt, also z.B. ein Adoptivkind. Das Thema hat mich zum Nachdenken gebracht. Wünsche ich mir wirklich so sehr eine Schwangerschaft? Eigentlich nicht, ich habe eher Angst davor. Habe Angst, dass die Freude über ein Kind schnell wieder kaputt gemacht wird, weil es nicht so läuft wie es laufen sollte. Das muss nicht sein, kann aber und ist bei mir wahrscheinlicher als bei gesunden Frauen.
Ich habe mir also die Frage gestellt, was ich mir genau wünsche und bin zu dem Schluss gekommen, dass es eigentlich eher um den Menschen geht. Es geht eher darum, dass Herr Baehr und ich jeden Tag für einen kleinen Menschen da sein können. Einen kleinen Menschen, dem wir unsere Liebe schenken können, mit dem wir spielen und Spaß haben können. Einen kleinen Menschen, den wir erziehen dürfen und dem wir die Welt zeigen können. Ob dieser kleine Mensch nun neun Monate (ja ich weiß, es sind keine richtigen neun Monate) in mir drin war und dort gewachsen ist oder nicht, spielt keine so große Rolle. Und genau das teilte ich gestern Abend Herrn Baehr mit. Herr Baehr gab zu, dass es ihm genauso ginge. Ich bin erstaunt und freue mich, das wir beide so fühlen.
Ein Entschluss steht für mich auf jeden Fall fest. Sollte es auf natürlichem Wege nicht sein sollen, dann möchte ich nicht nachhelfen. Das würde ich kaum verkraften, körperlich, wie auch seelisch. Ich möchte dann alle Kraft in einen kleinen Menschen stecken, der uns brauchen könnte. Aber soweit ist es noch nicht, erstmal übe ich mich weiter in Geduld und schaue, was so passiert. Und vor allem versuche ich nicht jedes Zieperlein als irgendein Zeichen zu interpretieren. Leichter gesagt als getan, leider.
frau_baehr am 16. Dezember 14
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308 - Benachrichtigungszettel
Vorweg: Mir ist klar, dass die ganzen Paketzusteller vor Weihnachten einen noch bescheideneren Job haben als sowieso schon. Viel zu wenig Zeit für viel zu viele Päckchen. Und wahrscheinlich jede Menge unfreundliche und undankbare, weil total gestresste, Kunden.
Unsere Nachbarn bestellen anscheinend recht viel, zumindest bekommen sie viele Päckchen. Leider sind sie nur tagsüber nicht daheim, sondern arbeiten oder auf ihrer Hausbaustelle. Und so landen die ganzen Päckchen bei mir, da ich ja im Home Office sitze. Kein Problem, in einem gewissen Rahmen mache ich das ja gerne. Was ich aber nicht mag, die Paketzusteller werfen keine Benachrichtigungszettel ein, dass und wo sie das Paket abgegeben haben. Heißt für mich also, den Nachbarn auflauern und schauen, wann sie nach Hause kommen. Darauf habe ich nun wirklich keine Lust und so bitte ich die Paketzusteller jedesmal so ein Zettelchen einzuwerfen. Die Dame heute fand das wohl unverschämt und hat mich böse angemurrt. Mir egal. Ich mag weder meinen Nachbarn hinterherrennen, weil ich ein Paket von ihnen habe, noch möchte ich, wenn ich etwas erwarte, die Nachbarschaft abklappern müssen um herauszufinden wo es denn gelandet ist.
frau_baehr am 15. Dezember 14
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