Freitag, 19. Dezember 2014
312 - Angst vor guten Neuigkeiten
Heute Abend gehe ich zu Herrn Baehrs bester Freundin, ohne Herrn Baehr, denn der hat Weihnachtsfeier. Dort wird außerdem noch Herrn Baehrs bester Freund und ein weiteres befreundetes Paar sein. Eigentlich hatte ich mich total auf den Abend gefreut, da es bis heute Morgen auch so aussah, als wäre wir nur zu dritt. Dass das andere Paar noch dazu kommt, ist gar nicht schlimm, wir haben uns nämlich auch schon wieder viel zu lange nicht gesehen, geschweige denn in Ruhe geredet.

Es gibt da aber ein großes "Aber, ... " bei der ganzen Sache. Dass Herrn Baehrs beste Freundin ein zweites Kind will ist kein Geheimnis und das sie das ganze auch schon angegangen sind, auch nicht. Und auch das andere Paar plant wohl ein Kind, zumindest haben sie Herrn Baehr gegenüber sowas angedeutet. Und deswegen habe ich auch Angst vor diesem Treffen, Angst, dass eine der beiden heute freudestrahlend verkündet, dass sie schwanger ist. Ich weiß nicht, ob ich damit umgehen kann und vor allem wie ich damit umgehen soll, wenn ich nicht Herrn Baehr an meiner Seite habe.

Mit Herrn Baehrs bester Freundin habe ich bereits über die ganze Sache gesprochen und mich schon vorsorglich entschuldigt, falls ich blöd reagieren sollte. Ich ärgere mich ja selbst, dass ich mich da so reinsteigere und mir das so wichtig ist, dass ich mich nicht für andere freuen kann. Ich würde diese ganzen blöden Gefühle und Gedanken gerne loswerden, den Kopf frei bekommen. Das geht aber so gar nicht.

Vielleicht wird das heute ja auch nur ein ganz normaler Abend mit ganz normalen Gesprächen. Ich hoffe es zumindest. Und wenn alle Stricke reisen, Herrn Baehrs bester Freund ist ja da, dann muss er mich eben trösten und zu Herrn Baehr bringen. Vielleicht schaffe ich es auch einfach, mich zusammenzureisen und mich für andere zu freuen und zu denken, dass ich bald auf der anderen Seite stehen werde.



Donnerstag, 18. Dezember 2014
311 - Fleissig, oder auch nicht
Ich habe immer noch nicht viel zu tun, was die Arbeit angeht. Ich soll das lernen. Was "das" ist, kann mir aber keiner genau sagen. Genausowenig ist klar, was meine Rolle ist oder was ich später mal tun soll. Und deswegen bin ich zur Zeit unglaublich unfleissig. Das nervt mich extrem, aber was soll ich machen. Ich hoffe auf den neuen Kollegen, der ab Januar da sein soll. Ich hoffe, das mein Team dann vollständig ist und endlich eine Aufgabe bekommt. Nichts tun macht mich wahnsinnig.



Mittwoch, 17. Dezember 2014
310 - In Erinnerung
Gestern Abend habe ich den Fehler gemacht mir ganz alleine den Film "Zwei an einem Tag" anzuschauen, weiß ich doch genau wie der Film endet. Die Hauptdarstellerin wird überfahren, während sie auf dem Rad unterwegs nach Hause ist. Und es war im Film zu sehen, richtig brutal. Ich hatte gehofft, dass es nur angedeutet wird, dass man es eben nicht so sieht. Aber es war zu sehen und das viel zu genau.

Mein Problem mit dieser ganzen Geschichte ist, dass eine meiner damals besten Freundinnen, eine Freundin, die ich seit dem Kindergarten kannte und die immer zu mir gehalten hat, vor etwas mehr als zwölf Jahren auf dem Nachhauseweg mit dem Rad von einem Auto erfasst und getötet wurde. Gesehen hat von uns die Unfallstelle glücklicherweise keiner und auch wie der Unfall passiert ist weiß keiner ganz genau. Trotzdem kann ich solche Szenen nur sehr schwer sehen. Auch nach über zwölf Jahren zerreist es mich in diesen Momenten. Die ganze Trauer und der Schmerz kommen wieder hoch und hauen mich um.

Diese Freundin war der lebenslustigste Mensch den ich kannte. Wie oft hatte sie mich oder die dritte im Bunde aufgefangen, wenn es uns nicht gut ging. Es gab kaum Momente in denen sie nicht gelacht hat. Ihre Fröhlichkeit war ansteckend und fehlt dieser Welt definitiv.

Das letzte Mal habe ich sie am Ostersonntag früh gesehen. Wir hatten in der Gemeinde zusammen die Osternacht mit anderen Jugendmitarbeitern gefeiert und waren gemeinsam im Frühgottesdienst gewesen. Anschließend an diesen Gottesdienst gab es im Gemeindehaus ein Frühstück, sie ist dort hin, ich nach Hause zum Frühstück mit meiner Familie. Im Park am Fluss trennten sich unsere Wege, ich war schon halb über die Brücke rüber, als sie mir zurief: "Ich hab dich lieb!" Es ist als hätte sie sich dort schon für immer von mir verabschiedet, so im Nachhinein betrachtet. Sicherlich ist es nicht so, keiner hätte sowas gedacht. Aber es ist schön zu wissen, dass sie gerade sowas als letztes zu mir gesagt hat.

Mit den Jahren ist die Trauer anders geworden. Ich trauere immer noch und hasse den Tag ihres Todes. Aber ich habe nicht mehr das Bedürfnis darüber zu sprechen, nicht mehr zu fragen, warum das alles passieren musste. Manchmal, in ganz dunklen Momenten, frage ich mich nur, warum sie und nicht ich. Diese Frage wird mir keiner beantworten können und es ist sicherlich gut, dass ich noch hier bin. Und es ist wichtig immer wieder einen Teil von ihr, von diesem glücklichen, optimistischen und lebensfrohen Menschen in sich zu tragen. Und genau das versuche ich, jeden Tag wieder.