Heute waren wir bei der Patenkindfamilie zum Geburtstagfeiern des Onkels eingeladen. Das Patenkind wollte vorm schlafen gehen gerne noch der Mutter vorlesen. Die wollte aber nicht wegen der Gäste. Also hatte ich mich als Zuhörer angeboten und zum Patenkind aufs Bett gesetzt. Es war wirklich schön etwas vorgelesen zu bekommen. Herrn Baehr hatte ich auch schon vorgeschlagen, dass wir gemeinsam ein Buch lesen und uns gegenseitig vorlesen. Darauf hat er aber leider keine Lust.
Heute habe ich zum ersten Mal außerhalb der Weihnachtszeit Plätzchen gebacken, oder Kekse, oder wie auch immer man es nennen mag. Es war ein Rezept aus einer Werbeanzeige für Margarine, dass mich beim durchblättern meiner Landlust angelächelt hatte. Herr Baehr fands auch gut und so hatten wir beschlossen zusammen zu backen.
Das mit dem zusammen backen hat so semi-gut geklappt. Herr Baehr war dann doch nicht so motiviert und verlor anscheinend alle Motivation, nachdem er hundert Gramm Ingwerg ganz fein gehackt hatte. Danach verschwand er erstmal ins Bad um eine Sitzung abzuhalten. Zum Glück kam er aber zum Teig kneten wieder, denn ich konnte nicht kneten, da ich mir gestern total in den Finger geschnitten hatte. Die Küche durfte ich dann aber wieder alleine aufräumen, Herr Baehr pickt sich bei so Aktionen oft nur die Rosinen raus.
Die Kekse sind aber sehr lecker geworden, auch wenn wir ewig bis zur Fertigstellung gebraucht haben. Wir sind eben keine Bäcker und haben da sicherlich nicht so das Timing. Aber es hat sich gelohnt.
Gestern Abend habe ich beim durchzappen noch das Ende der Dokumentation
Ich fahre nach Auschwitz gesehen. Heute habe ich mir die ganze Dokumentation noch einmal in der ARD-Mediathek angesehen. Das was die Jugendlichen und jungen Erwachsenen dort erleben, lässt mich an meine Reise nach Auschwitz denken.
Vor 12 Jahren war ich mit einem Schülerprogramm der Stadt in Polen. Wir trafen Jugendliche in Breslau, verbrachten Tage in Kreisau und waren einen Tag in Krakau. Und wir besuchten auch Auschwitz. Ich bin noch heute dankbar, dass ich diese Reise machen durfte. Sie war sehr intensiv, nicht nur der Teil in Auschwitz, dieser aber besonders.
Ich kann mich gar nicht mehr genau an alles erinnern, mein übliches Problem, Erinnerungen verblassen. Die Dokumentation hat aber einige Bilder wieder sehr deutlich zurückgebracht. Leider hatten wir in Auschwitz selbst sehr wenig Zeit, waren später angekommen als geplant und blieben nur eine Nacht. So musste dann das gesamte Programm in wenige Stunden gequetscht werden. Zuerst der Besuch des Stammlagers, dann ein Gespräch mit einem Zeitzeugen, eine Nacht dazwischen und der Besuch in Birkenau. Viele Eindrücke und Emotionen in wenig Zeit gepresst. Wenig bis gar keine Zeit das alles zu verarbeiten.
Eine der schlimmsten Stellen waren für mich die riesigen Glasvitrinen in welchen die Habseligkeiten der Häftlinge ausgestellt wurden. Eine Vitrine enthält Koffer, sehr mittig der Koffer einer Frau mit meinem Vornamen. Eine andere Vitrine enthält Schuhe, haufenweise Schuhe in verschiedenen Größen. Und dann gibt es noch eine mit Haaren, ein riesiger Berg Haare. Noch heute erinnern mich zusammengefegte Haare zum Beispiel beim Frisör an diese Vitrine. Diese Haare sind das letzte, was von Menschen geblieben ist, die vergast und verbrannt wurden.
Auch der Besuch von Birkenau war schlimm. Besonders die Gaskammern. Die Führerin nahm damals keine Rücksicht darauf, ob wir alle dort mit rein wollten oder nicht. Es musste schnell gehen, der Busfahrer wartete auf uns, wir hatten noch weitere Ziele. Und so führte sie uns in einen Raum und sage schließlich: "Und genau hier wurden die Häftlinge vergast." Ich wäre in diesem Moment am liebsten rausgelaufen. Ich wollte nicht dort stehen. Warum, weiß ich nicht. Irgendwie hatte ich das Gefühl auf diesen armen Menschen zu stehen. Ich hätte mir in diesem Moment gewünscht diesen Ort mit Bedacht zu betreten, mit Zeit.
Einen Besuch in Auschwitz oder auch einem anderen Konzentrationslager kann ich jedem nur ans Herz legen. Es ist ein Teil unserer Geschichte und es ist so wichtig zu sehen, was damals dort passiert ist. Und sollte man die Möglichkeit haben mit einem Zeitzeugen sprechen zu können, sollte man diese nutzen, solange es noch Zeitzeugen gibt.