363 - Vorhänge
Im Wohnzimmer haben wir Vorhänge, die wir ziemlich schnell nach dem Umzug aufgehängt hatten, damit die Vögel raus konnten. Die Vorhänge sind aber zu lang gewesen, deswegen haben wir vor recht langer Zeit Umbügelband im schwedischen Möbelhaus gekauft. Und das dann in der Kommodenschublade verstaut mit dem guten Vorsatz es "bald" zu verwenden. Bald ist heute erst eingetreten und wir haben zwei Stunden für acht Vorhänge gebraucht. Und es ist auch nicht besonders hübsch, zumindest nicht wenn man genau hinschaut. Wir schauen aber nicht genau hin und freuen uns daran, dass die Vorhänge nicht mehr zu lang sind.
frau_baehr am 08. Februar 15
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362 - Ich brauche das nicht
Heute die Cousine meiner Mutter getroffen. Sie ist unglaublich traurig über den Tod meines Großvaters, ihres Onkels. Wirklich Kontakt hatte sie nie mit ihm, mit meiner Mutter aber viel. Auf die Beerdigung geht sie, ich nicht, ich bin auf Dienstreise. Und die sag ich deswegen auch nicht ab. Die Cousine meiner Mutter ist aber überzeugt, dass ich Abschied nehmen muss. Das würde was auslösen, so eine Beerdigung. Ich bin mir sicher, dass es nichts auslöst. Ich habe schon vor Jahren mit diesen Leuten abgeschlossen. Ich hatte nie eine Beziehung und werde sie jetzt auch nicht mehr haben.
frau_baehr am 08. Februar 15
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361 - Glückliche Momente
Die Studienfreundin hat mir zu Weihnachten ein tolles Buch geschenkt. Es ist zum Jubiläum des Drogeriemarktes mit zwei Buchstaben herausgekommen und enthält vierzig Inspirationen bzw. gute Gedanken. Im ersten Kapitel geht es um Glück. Man wird aufgefordert eine Woche lang für jeden Tag zu überlegen, was einen an genau diesem Tag glücklich macht. Und dann gibt es noch eine weitere Seite, auf der man ein glückliches Erlebnis dokumentieren soll.
Zuerst dachte ich, dass diese Aufgabe nicht zu schwer werden sollte. Und das es mir sicherlich gut tut mal darüber nachzudenken was mich glücklich macht. Das hab ich aber noch verschoben, weil ich an einem Montag anfangen möchte (habe das Weihnachtsgeschenk erst Mittwoch bekommen). Also ein glücklicher Moment. Doch da ist nichts, mir fällt einfach nichts ein.
Also habe ich Herrn Baehr gefragt, nach glücklichen Momenten in seinem Leben. Und ihm ist auch nichts eingefallen. Außerdem hat er, was ich ziemlich süß fand, die ganze Zeit überlegt was ein glücklicher Moment in seinem Leben mit mir gemeinsam war. Er wollte anscheinend nichts nennen, das nicht mit mir zu tun hat. Wahrscheinlich in erster Linie um mich nicht zu verletzen, aber trotzdem schön.
Nach langem Nachdenken ist mir dann ein glücklicher Moment eingefallen. Der Moment nach der letzten Diplomprüfung. Ich sehe mich heute noch mit dem Mitbewohner über den Gang an der Uni gehen, weg vom Büro des Prüfers. Ich war noch völlig fertig nach dieser Prüfung, weil ich sie, dank Prüfungsangst, so ziemlich versaut hatte. Aber ich hatte bestanden und das realisierte ich plötzlich. Und dann konnte ich nicht mehr und hab vor Erleichterung losgeheult, bin dem Mitbewohner um den Hals gefallen und hab meine Mutter angerufen. Die hat erstmal den Schreck ihres Lebens bekommen, weil sie mich weinend am Telefon hatte, war dann aber erleichtert, als sie gehört hatte, das ich fertig war. Das war toll.
Trotzdem muss da noch mehr sein. Das kann nicht der einzige Moment in meinem Leben gewesen sein, an dem ich glücklich gewesen bin. Ich frag mich auch immer, ob ich zu hohe Erwartungen habe. Ich denke immer, dass ich erst richtig glücklich bin, wenn ich schwanger bin oder wenn Herr Baehr mich endlich heiratet. Wahrscheinlich wird das aber gar nicht so ein mega-toller Moment, wie ich es mir ausmale. Ich denke also weiter über die positiven Momente nach. Da sind welche, ich bin mir ganz sicher.
360 - Der fremde Mann
Gestern Nachmittag ist der Vater meiner Mutter, also mein Großvater, gestorben. Er war jetzt lange Zeit krank und es war auch eigentlich nur noch eine Frage der Zeit bis es passiert. Seit feststeht, dass er sterben wird und dass es nicht mehr lange dauert, denke ich über ihn nach.
Meine Mutter hatte nie ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern. Das lag mehr an ihnen und an dem was sie als Kindererziehung verstanden. Meine Mutter entsprach einfach nie ihren Vorstellungen. Warum ist mir bis heute ein Rätsel, denn wenn ich ein Elternteil meiner Mutter wäre, wäre ich unglaublich stolz. Sie hat uns großgezogen und immer unterstützt. Sie war immer für uns da. Und trotzdem hat sie früh wieder angefangen zu arbeiten, hat noch richtig Karriere gemacht und war erreicht. Das sehen meine Großeltern aber nicht, wollen es auch gar nicht sehen.
Mein Großvater war uns immer fremd, wollte mit uns auch nicht wirklich was zu tun haben. Im Nachhinein betrachtet wirkt es so, als hätte er Angst vor Kindern gehabt. Wir waren zu laut, zu unberechenbar und zu chaotisch. Und dabei waren wir keinesfalls Kinder, die über Tische und Bänke gegangen sind, sondern brave Mädchen, die mit ihrem Buch auf dem Sofa gesessen haben. Sicherlich haben wir auch mal miteinander gespielt oder auch getobt, aber soweit ich mich erinnere nie bei meinen Großeltern.
Irgendwann ist der Kontakt zu ihnen vollkommen abgebrochen. Irgendwas stand zwischen ihnen und meiner Mutter. Nach mehr als zehn Jahren konnte keiner mehr sagen was und so vertrug man sich wieder. So ein bisschen zumindest. Sicherheitshalber wurden wir aber schon enterbt, geizig ist mein Großvater nämlich auch gewesen.
Alles eigentlich Gründe nicht traurig zu sein, dass ich nie einen richtigen Kontakt zu ihnen und besonders zu meinem Großvater hatte. Und trotzdem stimmt es mich traurig. Ich sehe meinem Großvater ähnlich und habe auch einige Wesenszüge von ihm geerbt. Außerdem verband uns eigentlich ein gemeinsames Hobby, das Fotografieren. Trotzdem war er nie bereit sich zu öffnen und uns bzw. mich an sich ranzulassen. Es ist schade, ich kann es aber nicht ändern.
frau_baehr am 05. Februar 15
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