Ich lese zur Zeit nebenbei mal wieder das Tagebuch von Anne Frank, diesmal in der
Gesamtausgabe. Beim lesen frage ich mich immer wieder, wie es wohl Annes Schwester Margot in den Jahren des Versteckt seins ergangen ist. Margot ist ein ruhiges, zurückhaltendes und sicherlich sehr braves Mädchen, eher eine junge Frau. Anne ist das genaue Gegenteil, laut, aufbrausend, einnehmend.
Margot erinnert mich an mich, ich war ähnlich. Und ich habe eine kleine Schwester, die ähnlich wie Anne ist. Ich war immer die Vernünftige, fast wie eine zweite Mutter. Außerdem kam meine Schwester sehr früh in die Pupertät und das gleich sehr heftig. Oft drehte sich alles nur um sie bzw. um das was sie mal wieder gesagt oder getan hatte. Ich fühlte mich oft nicht wahrgenommen, einsam, unwichtig.
Ich frage mich, ob es Margot ähnlich ergangen ist. Mit Sicherheit musste sie, wie auch Anne, recht schnell erwachsen werden. Das Leben im Hinterhaus war für alle Bewohner nicht einfach, ein solches Leben auf so engem Raum zehrt an den Nerven. Wie hat Margot sich gefühlt, hatte sie überhaupt jemandem mit dem sie reden konnte, dem sie sich anvertrauen konnte? Wir werden es nie erfahren, schade.
Wir haben Schimmel. Ich könnte kotzen. Zum Glück, wenn man von Glück reden kann, ist es nur um das eine Fenster rum. Woher es genau kommt wissen wir nicht. Ich vermute, dass es am Außenanschluss liegt. Der leckt nämlich, wenn man den Schlauch anschließt. Und ich vermute, dass das ganze Wasser nicht abgeflossen ist sondern langsam in die Wand gezogen ist. Jetzt ist der Anschluß abgedreht und die Fenster offen. Hoffentlich bekommen wir das schnell wieder in den Griff. Schimmel kann ich echt nicht gebrauchen.
Mir geht es wieder gut, die Blutung ist weg. Das ist so eine Erleichterung. Nachdem es nun fast zehn Tage angedauert hatte, hatte ich mir schon Sorgen gemacht, ob es überhaupt jemals wieder aufhören würde. Und vor allem macht man sich dann ja doch Sorgen, ob irgendwas nicht in Ordnung ist. Die Ärztin hatte mir zwar versichert, dass alles ok ist und es dem kleinen Baehrenkind gut geht, trotzdem hatte ich immer mal wieder Angst oder auch richtige Panikanfälle.
Die Sorgen werden jetzt natürlich bleiben und ich werde immer wieder Angst haben, ob es zurück kommt. Ich muss jetzt nur versuchen entspannt zu sein, was leichter gesagt als getan ist. Trotzdem freue ich mich, wenn wieder etwas Alltag einkehrt, ich wieder arbeiten gehen kann und ich auch alles andere wieder so machen kann, wie ich es gewohnt bin. Das so viel liegen geblieben ist gefällt mir gar nicht, aber es war wichtig und richtig.