Freitag, 30. Mai 2014
108 - Sehr anstrengend
Heute war die Vatertagswanderung. Herr Baehr durfte bei den Männern mitwandern, obwohl er ja gar kein Vater ist. So wie es aussieht war er auch der einzige, der kein Vater ist. Aber das sieht man hier zum Glück nicht so eng. Für Herrn Baehr war es sicherlich gut, denn so konnte er die Männer endlich mal alle kennenlernen. Und so wie es aussieht, hat er sich mit dem ein oder anderen auch angefreundet und scheint ganz gut in die Runde zu passen.

Die Frauen sind zwei Stunden nachdem die Männer losgelaufen waren, zu einer Grillhütte gefahren und haben dort die Männer mit einem noch nicht angezündeten Grill, Getränken und Salaten in Empfang genommen. Ich finde solche typischen Rollenverteilungen ja immer ein bisschen blöd, aber gut, man fügt sich dem Gruppenzwang.

Ich bin ja bei so sozialen Events immer etwas überfordert, denn ich weiß nicht wie man da vorgehen muss. Ich kann keinen Small Talk weil ich nicht weiß was man da sagt. So ein paar Sätze hab ich mitlerweile "auswendig" gelernt, aber wenn die gesagt sind, weiß ich nicht wie es weiter geht. Meist ist es auch so, dass ich alleine irgendwo stehe, oder sitze, da ich ja nicht so lange stehen kann. Herr Baehr hat mir auch schon gesagt, dass ich oft sehr abweisend schaue. Das versuche ich auch zu ändern, es scheint mir aber nicht zu gelingen. Wenn ich mich dann zu einer Gruppe dazustelle, habe ich immer das Gefühl irgendwie zu stören. Ich bin mir auch immer nicht sicher, ob ich das einfach machen kann oder nicht. Und vor allem weiß ich gar nicht was man dann sagt, oder ob man was sagt.

Dementsprechend war es heute total anstrengend für mich. Viele Menschen, die ich nur vom sehen kenne, von denen ich mir die Namen nicht merken kann und wo vor allem die Männer alle gleich aussehen. Außerdem noch diese körperliche Nähe, viele Menschen auf engem Raum, das viele Händeschütteln, auf die Schulter geklopft bekommen oder beim Gespräch angefasst werden. Und ständig das Überlegen, was man als nächstes sagen kann/muss. Ich schlafe heute Nacht auf jeden Fall gut.



Donnerstag, 29. Mai 2014
107 - Taboulé
Morgen findet hier in der Straße die Vatertagswanderung mit anschließendem gemeinsamen grillen statt. Die Klassiker wie Nudelsalat, Kartoffelsalat oder Nachtisch waren schon vergeben. Da ich als Neuling aber auch was mitbringen will hatte ich mir überlegt Taboulé zu machen. Bisher habe ich das zwar noch nie gemacht, meine Eltern schwärmen aber immer davon wie schnell das gemacht ist. Und lecker ist es ja sowieso.

Also daheim angerufen und nach dem Rezept gefragt. Meine Mutter meinte noch während dem Telefonat, sie hätte ihr Rezeptebuch schon aufgeschlagen, mein Vater könnte die Seite also sofort scannen. Ich schlug ihr vor das ganze mit dem Handy abzufotografieren und mir zu schicken. Gesagt, getan. Kaum aufgelegt hatte ich die Bilder und dazu die Frage, ob ich es lesen könnte. Lesen konnte ich es, aber verstehen? Das war completement en francais!

Kurzer Exkurs: Meine Mutter liebt Frankreich, die Franzosen und alles was französich ist. Französiche Einrichtung, französisches Essen, französische Mode, usw. Außerdem spricht sie fließend französisch. Gefühlt die Hälfte aller Urlaube haben wir in Frankreich gemacht. Meine Mutter liest viele französische Bücher, Zeitungen und Zeitschriften. Kurz gesagt, viel französisch und meine Mutter hat mit Sicherheit kein Problem ein drei Gänge-Menü nach französischen Rezepten zu kochen.

Mein Französisch ist jetzt auch nicht so schlecht, aber das sind dann doch eher "Fachvokabeln". Also musste das Internet erklärend aushelfen. Immerhin musste ich nur zwei Worte nachschauen (gut, ist ja auch ein einfaches Rezept) und konnte den Einkaufszettel ganz ohne Hilfe schreiben.

Ein neues französisches Lieblingswort habe ich auch: éplucher. Das heißt schälen, hört sich aber eher an wie "das Fell abziehen". Bei einer Gurke eine sehr drollige Vorstellung...



Dienstag, 27. Mai 2014
106 - Prüfungen
Heute in der Bahn saßen ein Junge und ein Mädchen mit mir in einem Vierersitz, die anscheinend eine wichtige letzte Prüfung hatten. Die beiden tauschten sich über alles aus, was sie gelernt hatten. Der Stoff wurde nochmal durchgegangen, es wurde spekuliert was gefragt werden könnte und wie viele Punkte es für welche Fragen geben könnte. Dann wurden Spicker angefertigt, Bilder auf dem Handy von den Lernsachen. Das man das Handy in einer Prüfung behalten darf, finde ich ungewöhnlich. Die beiden anscheinend auch, machten es sich aber gleich zu nutze.

Ich hab in dem Moment wieder gemerkt, wie froh ich doch bin, dass ich nie nie wieder eine Prüfung machen muss (hoffentlich!). Ich hab extreme Prüfungsangst. Bei meinen mündlichen Diplomprüfungen wusste ich kaum noch, wer ich überhaupt bin, wie ich heiße und was ich da in der Prüfung überhaupt will. Und natürlich war alles weg, so viel gelerntes, einfach weg. Der eine Prof war sehr nett, hatte eine ganze Zeit Verständnis mit meiner Angst, konnte aber nicht verstehen, dass da gar nichts mehr kam. Dementsprechend schlecht waren dann natürlich auch die Noten.

Den Stress brauche ich wirklich nicht mehr. Das mach ich nicht mehr. Deswegen möchte ich auch keinen Job, bei dem ich irgendwelche Schulungen und Tests machen muss. Um mich fortzubilden. Eher um mich zu stressen. Nein danke.