Herr Baehr und ich haben heute einen wichtigen Teil meiner beruflichen Zukunft geklärt. Mein derzeitiges Projekt läuft nur noch bis zum Herbst. Die ganze Zeit war ich mir nicht sicher, was ich will. Will ich so ungefähr weiter machen wie jetzt, also viel reisen, viel von daheim weg sein, viele neue Situationene. Oder will ich aktiv nach einem Projekt suchen, bei dem ich jede Nacht daheim schlafen kann. Beides hatte seine Vor- und Nachteile. Eine zeitlang habe ich sogar überlegt mir was ganz neues zu suchen. Das hat aber zu viele Nachteile. Neben einer komplett neuen Firma, einer eventuellen Befristung und neuen Aufgaben, hätte es auch bedeutet das Thema Kinder um mindestens ein Jahr zu verschieben, eher länger. Und das ist genau der Punkt, so lange warte ich auf keinen Fall mehr.
Herr Baehr und ich haben noch nie richtig zusammen gelebt. Wir wohnen zwar schon eine ganze Weile zusammen, jedoch war ich immer unterwegs. Anfangs haben wir ja beide noch studiert und uns sowieso nur am Wochenende gesehen. Dann bin ich zu ihm gezogen und habe den Job als Business Kasper bekommen. Also wieder eine Wochenendbeziehung. Die letzten Wochen war ich jetzt daheim. Das ist nicht das erste Mal, aber es ist das erste Mal, dass wir beide uns richtig wohl mit der Situation fühlen. Die Ängste, dass wir uns auf den Geist gehen könnten oder voneinander zu viel haben könnten, sind nicht mehr da. Vielleicht trägt dazu auch die jetzige Wohnsituation bei, wir haben Platz uns aus dem Weg zu gehen, wenn wir das Bedürfnis haben.
Um es kurz zu halten, es ist eine Entscheidung gefallen. Ich suche nach einem Projekt in der Nähe. Wir werden also in Zukunft jeden Abend zusammen verbringen, zumindest im selben Haus. Das wird spannend, aber ich freue mich schon total darauf.
Seit wir den Garten haben mache ich, zumindest für meine Verhältnisse, viel selbst. Früher habe ich das nie gemacht, obwohl ich es mir immer toll vorgestellt habe. Jetzt ist es da und es macht Spaß zu ernten und daraus etwas herzustellen.
Heute war Sirup kochen angesagt. Zuerst habe ich fleißig im Garten geerntet. Zum Glück hatte ich grade Wäsche aufgehängt, so war der Wäschekorb zur Hand:
Dann habe ich erstmal alles gründlich gewaschen, denn tote Insekten im Sirup sind nicht so schön, auch wenn es nochmal gefiltert wird. Bei der Zitronenmelisse musste ich auch ordentlich aussortieren, da waren recht viele braun gefleckte Blätter dazwischen. Da die aber wie Unkraut wuchert, war es nicht schlimm. Ich hab ja genug.
Mein ursprünglicher Plan war es alles in den beiden Schüsseln zu machen. Durch den vielen Zucker (pro Liter Wasser ein Kilo Zucker) wurde es aber sehr viel Flüssigkeit.
Und so habe ich es dann andersrum gemacht. Nicht die Blüten und Blätter mit dem Sirup übergossen, sondern den Rest mit in den Topf geworfen und kräftig umgerührt:
Jetzt muss das ganze noch vier bis fünf Tage ziehe. Beides schmeckt aber schon sehr lecker. Herr Baehr hat sich von dem Zitronenmelissensirup sogar schon was genommen und es mit einem Glas Wasser gemischt. Schmeckt auch gut. Das kann ich jetzt öfter machen.
Ich bin immer auf der Suche nach guten Büchern. Eine lange Zeit habe ich zu Weihnachten auf meinen Wunschzettel (ja, wir schreiben auch als Erwachsene noch Wunschzettel, alle auch meine Eltern) immer den Wunsch "ein gutes Buch" geschrieben. Meine Eltern haben mir dann entsprechend gute Bücher geschenkt, Klassiker von Jane Austen oder Stefan Zweig, aber auch andere Bücher, die sie gut fanden. Und meine Eltern haben eigentlich immer einen guten Geschmack was Bücher angeht. Zumindest meinen treffen sie eigentlich immer.
Zu Ostern gabe es dieses Jahr von ihnen auch ein Buch. Für mich diesmal
"Erzähle es niemandem! Die Liebesgeschichte meiner Eltern" von Randi Crott. Ein Buch, dass ich kaum noch aus der Hand legen konnte.
Angefangen mit dem Tagebuch von Anne Frank, habe ich vor allem als Jugendliche viele Bücher über das dritte Reich verschlungen. Und so war es natürlich einfach mich für dieses Buch zu begeistern. Dieses Buch erzählt die Geschichte von Lilian und Helmut, einer Norwegerin, die sich in einen deutschen Besatzungssoldaten verliebt. Sie erzählt aber auch die Geschichte eines jungen Halbjuden, der sich als Wehrmachtssoldat vor der Verfolgung schützt und die Schicksalsschläge und Demütigungen, denen seine Eltern ausgesetzt sind. Sehr interessant ist aber auch die Geschichte der Besatzung Norwegens, ein Thema, das nicht oft besprochen wird und worüber wenig bekannt ist.
Ich kann dieses Buch nur sehr empfehlen. Vor allem jedem, der sich für dieses Themengebiet interessiert. Wer nur eine reine Liebesgeschichte lesen möchte sollte ein anderes Buch kaufen.