Mittwoch, 22. Oktober 2014
254 - Schlechte Nachrichten kommen selten allein
Gestern Abend häuften sich die schlechten Nachrichten. Erst rief mein Vater an und erzählte mir, dass der Lebensgefährte meiner Oma ganz plötzlich in der Nacht verstorben wäre. Meine Oma ist natürlich total durch den Wind, war sie doch gerade durch ihre Krankheit auf ihn angewiesen. Er hatte im letzten halben Jahr für sie eingekauft, hatte sie zu Ärzten und in Krankenhäuser gefahren und während ihrer Zeit im Krankenhaus für sie gesorgt. Obwohl sie immer eine komische Beziehung hatten, mal war er da, mal nicht, er hatte noch eine Frau und Familie, war meine Oma sicherlich glücklich mit ihm. Ich bin nie richtig mit ihm warm geworden, trotzdem ist es sehr traurig. Vor allem für meine Oma wird es schwierig, da sie nur die "Geliebte" ist, hat sie weder bei dem Erbe noch bei der Beerdigung ein Mitspracherecht.

Diese schlechte Nachricht reichte aber nicht. Kurz darauf las ich bei Whats App die Nachricht einer Freundin, ihre Mutter habe Brustkrebs, das wäre jetzt schwer so über Textnachrichten zu erklären. Deswegen rief ich sie an und telefonierte lange mit ihr. Sie nahm es sehr gelassen und gefasst, hatte schon ganz viel gelesen und sich über alles informiert. Das ist sicherlich ihre Art damit umzugehen. Ich hoffe, dass es ihrer Mutter bald besser geht und der Krebs in einem so frühen Stadium entdeckt wurde, dass man nicht mit einer Chemotherapie dagegen vorgehen muss, denn diese Freundin hat eine tolle Mutter.



Dienstag, 21. Oktober 2014
253 - Ankündigung Abitreffen
Gestern kam eine Gesichtsbuch-Einladung für das Abitreffen und mich hat sofort eine Panikwelle überrollt. Ich bin mir nicht sicher, ob ich hingehen möchte oder nicht. Dafür gibt es so einige Gründe.

Als erstes ist da mein Exfreund. Ich war eineinhalb Jahre mit ihm zusammen, er war mein erster Freund und ich dachte damals, dass es die Liebe meines Lebens ist. Dachte er anscheinend nicht, denn auf der Kursfahrt verliebte er sich in eine Klassenkameradin und trennte sich. Ich litt tierisch unter dieser Trennung und auch unter den Folgen. Gemeinsame Freunde wendeten sich ab und gute Freundinnen von mir fanden plötzlich die neue Freundin toll. So ging nicht nur meine erste Beziehung zu Bruch, sondern auch einige Freundschaften.

Und das ist auch schon Punkt zwei. Kurz vor dem Abitur begannen viele Leute in der Stufe mit anderen abzurechnen. Langjährige Freundschaften zerbrachen, Freunde wendeten sich voneinander ab. Ich bin ein sehr harmonischer Mensch und kann mit solchen Situationen nicht gut umgehen. Auch ich verlor in dieser Zeit Freunde, gewann aber auch eine neue Freundin dazu.

Und sie ist Punkt drei. Innerhalb von kürzester Zeit waren wir uns sehr vertraut. Ich hörte ihr bei ihren Problemen mit ihrem damaligen Freund zu und half ihr schlussendlich über die Trennung hinweg. Sie nahm mich mit zum Eishockey und zeigte mir diesen wundervollen Sport. Und sie war auch diejenige, die mir beim Zusammenkommen mit Herrn Baehr (das sich damals sehr kompliziert gestaltete) half und mich immer wieder drängte nicht aufzugeben. Dafür bin ich ihr heute noch sehr dankbar, würde ihr das auch gerne sagen, habe aber vollkommen den Kontakt zu ihr verloren. Nun weiß ich nur nicht warum. Ich kann schlecht einschätzen, ob ich etwas falsch gemacht habe und wenn ja was. Das ich mich oft anders verhalte als viele Menschen das erwarten und dass ich Schwierigkeiten habe Kontakte zu halten, weiß ich. Und ich bin ganz schlecht darin nach so langer Zeit auf jemanden zuzugehen und offen mit ihm zu sprechen.

Und das ist dann Punkt vier. Ich habe Probleme mit fremden Menschen. Im Berufsalltag geht das, da weiß ich nämlich genau was ich mit ihnen reden muss. Ich komme zum Kunden und weiß genau warum und habe mich darauf vorbereitet, das ist kein Problem. Den Small-Talk am Anfang kann ich kaum, da muss ich auf auswendig gelernte Sätze zurückgreifen und mich sehr anstrengen nichts falsches zu sagen. Die Situation bei so einem Abitreffen ist aber eine etwas andere. Ich weiß nicht genau wer noch mit mir sprechen möchte und was genau die Personen von mir erwarten. Ich lege mir jetzt schon Sätze zurecht, die ich sagen kann. Und genau das macht mich wahnsinnig.

Herr Baehr versuchte mich zu trösten, indem er mir erklärte, dass ich ja nicht hin müsse. Muss ich auch nicht, dann werde ich aber ewig das Gefühl haben etwas verpasst zu haben. Alleine hingehen werde ich aber definitiv nicht, ich gehe nur mit einer guten Freundin zusammen. Die einzige eigentlich, mit der ich noch Kontakt habe und die ich sehr gerne mag. Ich denke, ich werde das Problem mit ihr erörtern, auch wenn es Überwindung kostet mich ihr gegenüber so zu öffnen. Wir sind uns zwar sehr vertraut und reden sehr offen über alles, aber über meine Probleme im Umgang mit Menschen und all meine weiteren Einschränkungen, habe ich bisher noch nicht mit ihr gesprochen. Darüber spreche ich eigentlich nur mit Herrn Baehr. Das wird schwierig, aber vielleicht hilft es mir auch meine Probleme ein wenig in den Griff zu bekommen.



Montag, 20. Oktober 2014
252 - Umfrage
Ab und zu rufen bei uns Leute an, die eine Umfrage durchführen möchten. Eigentlich wimmele ich diese Leute immer direkt ab, heute aber habe ich mich mal darauf eingelassen. Die Dame versprach mir, dass die Umfrage nur circa zehn Minuten dauern würde, also wirklich nicht lange. Außerdem war sie von einem bekannten Institut. Schon beim Vorlesen der Fragen wurde klar, die Dame ist nicht mehr die Jüngste und auch noch nicht sehr geübt in der ganzen Sache. Englische Begriffe bereiteten ihr Schwierigkeiten und auch der Computer machte wohl nicht immer was sie wollte. Oft hörte ich sie hektisch klicken oder seufzen und es wurde kurz still.

Am Ende hatten wir 25 Minuten telefoniert und ich hatte Fragen zu Politik, Bauer sucht Frau, der Bahn, meiner Gesundheit, meiner Arbeit und meiner Lebenssituation beantwortet. Zum Schluß las sie mir noch einen Text vor, ob ich auch an Online-Befragungen teilnehmen möchte. Ich verneinte und sie akzeptierete das, sehr angenehm. Am Ende entschuldigte sie sich dann, dass es doch länger als geplant gedauert hätte. Da ich aber häufig Bahn fahre öffneten sie wohl noch so viele Fragen mit denen sie nicht gerechnet hatte. Ich bin ja froh, dass ich nicht auch noch Bauer sucht Frau regelmäßig schaue und mit meiner Arbeit zufrieden bin und keine große Angst vor schlimmen Krankheiten habe. Wer weiß wie viele Fragen da noch aufgekommen wären.