Mittwoch, 28. Januar 2015
352 - Ein offenes Ohr
Heute ist mir erst richtig klar geworden was mir fehlt, damit ich glücklicher werden kann, damit ich meinen sehnlichsten Wunsch loslassen kann und endlich wieder normal leben kann. Mir fehlt schlicht und einfach jemand zum reden. Jemand, der sich meine Sorgen anhört, dem ich von meinen düsteren Vorahnungen erzählen kann. Vor allem aber jemand, der nicht sagt, dass es alles Quatsch ist und ich mich total reingesteigert habe. Dass ich die Dinge nur positiv sehen muss und nicht immer so negativ. Selbst wenn das alles stimmt, ich die Dinge einfach zu negativ sehe und mich zusehr reingesteigert habe (was ich selbst weiß), hilft mir das kein Stück weiter.

Ich brauche Zeit das zu verarbeiten, Zeit das Gefühl loszuwerden, dass es mir nicht vergönnt sein wird eine Familie zu haben. Oder gar mit dem Wunsch abzuschließen. So gerne würde ich einfach mal nur reden, reden, reden. Aber da ist niemand. Keinen interessiert es, keiner will es wissen. Und so bleibt mir nichts anderes übrig als es in mich reinzufressen. Oder mich hier auszukotzen, was ich aber eigentlich nicht möchte. Denn hier soll es ja in erster Linie um das Schöne und Positive in meinem Leben gehen.



Dienstag, 27. Januar 2015
351 - Alptraum und Vorahnung
Heute Nacht habe ich geträumt, dass ich (wieder) bei meinen Eltern gewohnt habe. Von dort wollte ich früh Morgens zu einem Termin mit meinen Kollegen, war aber total unpassend (Trägerkleid, Strumpfhose mit Laufmaschen) gekleidet. Leider war aber keine Zeit mehr zum umziehen, denn ich musste zum Bahnhof und den Zug bekommen. Irgendwie war es nur mit genau diesem einen Zug möglich zu dem Treffen zu kommen. Also zog ich die Anzugjacke über das Kleid und die Businesschuhe an. Die Schuhe passten gar nicht zum Rest, aber es war das einzig verfügbare Paar und ich hatte ja keine Zeit. Auf dem Weg zum Bahnhof bemerkte ich, dass ich meine Tasche vergessen hatte, also schnell wieder zurück. Die Zeit wurde immer knapper, der Weg nahm immer mehr Zeit in Anspruch und ich wurde immer langsamer. Ob ich es rechtzeitig geschafft habe weiß ich nicht, ich bin vorher wach geworden. Zum Glück.

Dieser Traum hätte mir aber eine Warnung sein sollen. Ich hatte heute nämlich tatsächlich ein Treffen mit meinen Kollegen. Und ich musste dort mit den Öffentlichen hin. Natürlich bin ich ordentlich gekleidet (nur die Schuhe waren die gleichen wie im Traum) und überpünktlich los. Das war schon der erste Fehler, denn der Bus kam einfach nicht. Der nächste auch nicht. Nach einer Dreiviertelstunde warten in Businesschuhen und Anzughose kam endlich ein Schulbus, den ich auch nehmen konnte. Die Verspätung führte natürlich dazu, dass ich meine ursprünglich geplante Verbindung verpasste und eine andere nehmen musste. Natürlich mit doppelt so vielen Umstiegen, welche alle mit Wartezeiten in der Kälte verbunden waren. Aufgehört zu frieren habe ich erst nach dem zweiten Kaffee im Büro. Hauptsache ich werde jetzt nicht krank.



Montag, 26. Januar 2015
350 - Berg und Tal
Meine Gefühle bezüglich des Kinderwunsches fahren auf einer Berg- und Talbahn. Es schleudert mich rum, es geht hoch und es geht wieder runter. Ich war der festen Überzeugung, dass ich positiv sein kann. Ich habe sogar geglaubt, dass ich von dem Thema Abstand gewinnen kann. Denn das raten mir ja schließlich auch alle. Solange ich so sehr daran denke und mich so sehr damit beschäftige wird es sowieso nichts. Super auch der Rat meiner Mutter mir Alternativen zu überlegen, wenn es nicht klappt und wir kinderlos bleiben. Es wäre zu schön, wenn das so einfach klappen würde. Kopf aus und einfach das Leben weiter leben.

Es geht aber einfach nicht. Es dreht sich einfach alles um dieses eine Thema. Überall um mich herum sind Schwangere oder glückliche Paare mit kleinen Kindern. Von allen Seiten hört man, dass es ja so schnell geklappt hat. Ja sogar, dass es nach Plan geklappt hat. Das ist sowas von zum Kotzen.

Heute Abend eine Familienfeier mit der Nichte. Ich mag sie ja wirklich gerne und finde sie auch süß, aber es macht mich einfach neidisch, dass sich alles nur noch um sie dreht. Und um ihre Eltern natürlich, denn die sind ja so gut, dass sie ein Baby machen konnten. Das können Herr Baehr und ich wohl nicht (gut, dass hat noch keiner so gesagt, so fühlt es sich aber manchmal an).

Dazu kommt, dass ich in meinem Körper lebe und ihn spüre. Seit drei Wochen habe ich ununterbrochen Unterleibsschmerzen. Nicht schlimm, nur immer wieder ein Stechen und Ziepen. Was das sein könnte? Ich hab keine Ahnung. Bei meinem Glück aber nichts gutes, eine Zyste, eine Entzündung oder irgendwas ähnlich schlimmes. Zum Arzt möchte ich noch nicht gehen, erstmal den nächsten Tantenbesuch abwarten. Das macht mich wahnsinnig und hilft nicht gerade, denn genau diese Gefühle kann ich nicht abstellen.

Und ich kann mit niemandem über die ganze Sache reden. Meine Eltern wollen es nicht hören, ich steigere mich zu sehr rein. Herr Baehr will dass ich glücklich bin und positiv denke und wird sauer, wenn ich ihm von meinen Ängsten und Bedenken erzähle. Und Freunde? Ich will es ja jetzt auch nicht jedem auf die Nase binden, obwohl ich das wohl, zumindest sieht Herr Baehr es so, schon getan habe. Aber die wollen es auch nicht hören. Sind ja auch alle die glücklichen, bei denen es sofort geklappt hat.

Manchmal mag ich einfach nicht mehr.