Freitag, 20. Februar 2015
375 - Berührt
Herrn Baehr bringt so schnell nichts aus der Fassung. Ihm geht auch wenig nahe. Als ich ihn kennen gelernt habe, hat er über sich selbst gesagt, dass er sehr sensibel wäre. Das hat er aber wohl mit den Jahren abgelegt. Oft ist er eher unsensibel. Wann er das letzte Mal richtig geweint hat, weiß ich nicht. Er scheint auch nie das Bedürfnis zu haben zu weinen, ich finde weinen oft doch sehr befreiend.

Herr Baehr muss auch nicht am Ende von Büchern oder Filmen weinen. Ich habe zum Beispiel beim lesen des letzten Harry Potter Buchs Rotz und Wasser geheult, Herr Baehr fands nicht so traurig. Auch wenn es gut ausgeht muss ich oft weinen, er nicht. Oder wenn jemandem geholfen wird oder jemand etwas gutes tut, kommen mir die Tränen. Bei Herrn Baehr ist das eher selten, es muss schon sehr rührend sein oder um Kinder gehen, wenn er mal weint.

Gestern aber habe ich es geschafft ihn zu Tränen zu rühren und das war wirklich schön. Vor einiger Zeit habe ich eine Adresse in der Ukraine gezogen und der Dame eine Karte ausgesucht, die sie sich wünschte. Sie hatte in ihrem Profil geschrieben, wie schön doch die Ukraine ist, dass es dort gerade landschaftlich einiges zu sehen gäbe. Ich erinnerte mich an Fotos von Freunden, die vor einigen Jahren dort waren und schrieb ihr davon. Außerdem, und das schreibe ich immer auf Karten in die Ukraine, schrieb ich ihr, dass ich mir wünsche, dass in diesem Land bald Frieden einkehrt. Die Dame hat mir nach dem Erhalt der Karte für meine lieben Worte gedankt. Herr Baehr fand meine Worte anscheinend auch schön, vor allem, dass man mit so einer simplen Geste Menschen Freude bringen kann.



Donnerstag, 19. Februar 2015
374 - Verständnis unter Freundinnen
Gestern habe ich lange mit der Studienfreundin zusammengesessen. Wir waren beide ganz erschrocken, als wir feststellten, dass es schon kurz vor elf war, als wir das erste Mal auf die Uhr geschaut hatten. Die Zeit ist einfach nur so verflogen. Aber es hat so gut getan sich mit ihr zu unterhalten, offen auszutauschen.

Die Studienfreundin ist, wie ich auch, nicht der Mensch, der allen seine Gefühle offen legt. Sie macht viel mit sich selbst oder eben mit ihrem Mann aus. Und sie ist, auch wie ich, eine Planerin. Und genauso wie ich, versucht sie im Moment den Plan Familie umzusetzen. Leider ebenfalls bisher nicht erfolgreich. Wir haben zwar nicht den ganzen Abend über dieses Thema gesprochen, aber wir haben uns darüber ausgetauscht. Und es hat so gut getan zu hören, dass man nicht alleine ist mit verrückten Gedanken. Auch sie hat einen "Hass" auf Schwangere und ärgert sich über blöde Nachfragen. Und sie leidet, wie ich auch, unter den Unplanbarkeit der ganzen Unternehmung. Ich glaube aber, dass es ihr, wie mir auch, gut getan hat über alles zu reden. Es ist schön, wenn man Freunde hat, die das gleiche durchmachen und Verständnis haben, auch wenn es für uns beide keine schöne Situation ist.



Mittwoch, 18. Februar 2015
373 - 7 Wochen ohne
Wie schon im letzten Jahr werde ich auch in diesem Jahr Fleisch und Fisch fasten. Ich werde mich also die nächsten Wochen vegetarisch ernähren, soweit das möglich ist. Diese Einschränkung hatte ich auch letztes Jahr schon. Wenn man viel unterwegs ist und auf das angewiesen ist, was angeboten wird, ist es manchmal gar nicht so einfach vegetarisch bzw. ein Gericht ohne Fleisch zu essen. So hatte ich letztes Jahr genau in der Fastenzeit beim Fleischkunden zu tun. Dort in der Kantine ist vegetarisches Essen nicht vorgesehen. Wer kein Fleisch mag kann Beilagen und Salat essen. Das ist auf Dauer, und vor allem ohne Möglichkeit sich was gescheites am Abend zu machen, wirklich nicht zumutbar.

Dieses Jahr sieht es aber so aus, als wäre ich nicht so viel unterwegs. Ob das die Sache einfacher macht weiß ich noch nicht, denn Herr Baehr ist ein Fleischfresser. Er würde sich beim Fleischkunden, zumindest was das Essen angeht, echt wohl fühlen. Immerhin hat er sich gemerkt, dass ich ab heute kein Fleisch mehr essen möchte. Wie wir das umsetzten werden, ist noch offen. Irgendeinen Kompromiss müssen wir finden, obwohl ich mir ja wünschen würde, dass er einfach mal mitmacht. Aber dazu fehlt Herrn Baehr das Durchhaltevermögen.

Besonders schön finde ich in der Fastenzeit aber auch immer die Aktion 7 Wochen ohne der evangelischen Kirche. In diesem Jahr ist das Motto "Du bist schön! Sieben Wochen ohne Runtermachen".