Mittwoch, 11. März 2015
394 - Sammelleidenschaften bei Frauen
In der Kantine fiel meinem Kollegen heute ein junger Mann auf, der zu seinem grauen Anzug und seinem blauen Hemd perfekt abgestimmt ein Paar graue Schuhe mit blauer Sohle trug. Wir rätselten, ob er zu jedem Anzug und Hemd ein passendes Paar Schuhe besitzt. Mein Kollege meinte dann, dass der junge Mann dann aber sicherlich ganz schön viele Schuhe haben müsste und bestimmt mal eine Frau werden wollte. Mit einem Augenzwinkern stellte er dann fest, dass ja alle Frauen so eine Sammelleidenschaft hätten, seine Frau zum Beispiel hätte lauter Taschen. Dann wollte er wissen was meine Leidenschaft wäre.

Tja, da bin ich wohl so richtig unfraulich (wenn es dieses Wort überhaupt gibt). Ich habe nicht viele Schuhe, trage am liebsten das eine Paar flacher Büroschuhe. Ich habe nur eine Handtasche, nur ein Portmonee, kaum Schmuck, drei Nagellacke (und das schon seit Jahren), ungefähr so viel Klamotten wie Herr Baehr und auch sonst keine besondere Leidenschaft für Frauendinge.

Irgendwie hat mir das aber keine Ruhe gelassen und so habe ich die ganze Zeit überlegt, was an mir eigentlich fraulich ist (vom Aussehen jetzt mal abgesehen). Ich bin nicht so wirklich auf irgendwas gekommen. Ich verhalte mich nicht besonders fraulich aber sicherlich auch nicht männlich, ich bin eher neutral. Komisch, aber so ist es eben. Hilft auch nicht überall anzuecken und hat, gerade im Berufsleben, in den letzten Jahren geholfen dort anzukommen wo ich gerade stehe.



Dienstag, 10. März 2015
393 - Man lernt ja nie aus
Heute rief mich der Chef-Kollege an mit der Bitte ihm bei einer Powerpoint behilflich zu sein. Er kann das gar nicht, will es auch nicht können (kann ich gut verstehen) und ist froh, dass ich in den letzten Wochen so einiges gelernt habe. Eigentlich ganz einfach, was er wollte, ein simples Häckchen. Kann ja nicht so schwer sein, das benutzt man doch sicherlich oft mal. Nein, anscheinend nicht, denn sowas lässt sich leider nicht so einfach einfügen. Erst eine Nachfrage bei Tante G ergab, dass man einfach in ein Textfeld ein kleines ü tippen muss und dann die Schriftart auf Windings umstellen muss, oder eben umgekehrt. Das muss man wissen, ich weiß es jetzt, mal sehen wie lange ich mir das merke.



Montag, 9. März 2015
392 - Harry Potter Lesechallenge - Zusatzaufgabe Hermine
Hermine liest viel und vor allem auch viel "schwere Kost". Deswegen hier auch die Aufgabe eine Biografie zu lesen. Und genau das habe ich letzte Woche mit Der Junge vom Saturn von Peter Schmidt getan. In diesem Buch beschreibt Peter Schmidt seine Kindheit und Jugend und vor allem seine Andersartigkeit, denn Peter Schmidt ist, was er damals noch nicht wusste, Asperger-Autist.

Bei vielen Schilderungen von Peter Schmidt über die Grausamkeit seiner Mitschüler musste ich schlucken. Ähnliches habe ich in der Schule durchmachen müssen, denn ich war auch anders als die anderen Kinder. Warum keiner Peter Schmidt verstanden hat, ist mir ein Rätsel, ich finde vieles was er tut sehr klar nachvollziehbar. Einiges jedoch kann ich nicht nachvollziehen, vieles finde ich mutig und hätte mich niemals getraut so zu handeln. So beschreibt er zum Beispiel, dass er als Kind von Haus zu Haus gegangen ist um um Ableger von Kakteen zu bitten. Ich habe früher mit niemandem gesprochen und erst recht nicht mit Fremden, sehr mutig so eine Aktion.

"Grün ist vier und vier ist grün" schreibt Peter Schmidt in seinem Buch und ich hätte am liebsten laut "Genau!" gerufen. Wie oft musste ich mich ermahnen nicht laut "Vier!" zu rufen, wenn die Ampel auf grün umgesprungen ist und der Fahrer es verpasst hatte. Andere Zahlen haben bei mir keine so klar definierte Farbe, der Zahlenstrahl ist für mich aber gleichzeitig auch ein Farbenstrahl, ohne dass ich ihn wirklich erklären könnte.

Bücher wie diese wühlen mich auch, stelle ich mir doch immer und immer wieder die Frage, ob ich nicht auch betroffen bin. Tests im Internet sind recht eindeutig, da erfülle ich alle Kriterien. Ob das aber so wissenschaftlich fundiert ist, weiß ich nicht. Was aber sicher ist, ich bin anders, das kann Herr Baehr besonders gut bestätigen, aber sicherlich auch meine Mutter. Ich plane alles und kann einen richtigen Wutanfall bekommen, wenn es nicht so läuft wie ich es geplant habe. Ich kann absolut keinen Smalltalk, werde in solchen Situationen oft gefragt, warum ich jetzt lachen würde (dachte immer, man lacht/lächelt bei Small Talk). Ich verstehe Ironie nur, wenn sie sehr extrem ist oder wenn jemand es direkt dazu sagt. Ich verstehe viele Witze nicht und lasse mich besonders leicht veräppeln.

Andere Menschen, besonders fremde Menschen, finde ich sehr anstrengend. Selbst Freunde ertrage ich nur für eine bestimmte Zeit und brauche dann eine Rückzugsmöglichkeit und einfach meine Ruhe. Auch Herrn Baehr kann ich nicht dauerhaft ertragen, zum Glück spielt er ja gerne Computer, da kann ich ihn oft hinschicken, wenn es mir zu viel wird. Berührungen mochte ich schon als Kind nicht und das hat sich auch bis jetzt nicht geändert. Menschenmengen lösen bei mir ein Unwohlsein aus, enge Menschenmengen besonders.

Das alles macht es nicht immer leicht, gehört aber zu mir dazu. Und es ist wichtig, dass es Menschen wie Peter Schmidt gibt, die an die Öffentlichkeit treten und von ihrem Leben und Leiden berichten.