590 - Das schönste, was dir passieren kann
Ich war immer davon ausgegangen, dass ich ab dem Moment des positiven Schwangerschaftstests überglücklich sein würde. Das war es, worein ich, nicht nur im letzten Jahr, meine Kraft gesteckt hatte. Ich hatte ein Jahr gelitten, weil es nicht geklappt hatte. Hatte schon gedacht, dass ich nie Kinder haben werde und für immer unglücklich sein werde.
Jetzt freue ich mich aber nicht jeden Tag und bin auch nicht dauerhaft überglücklich. Und ich finde es sehr schwierig, wenn mir jemand sagt, ich solle weiterhin meine Schwangerschaft genießen. Ja, ich finde es schön, dass wir das Baehrenkind haben, aber mal ganz ehrlich, ich hätte es gerne schon in echt bei mir. Eine Schwangerschaft ist so beschwerlich, es ist dieses alles oder nichts, dass mir, grade am Anfang, so zu schaffen macht. Die Blutung und die drei Wochen Auszeit haben mir nicht gut getan. Noch heute gehe ich Nachts ungern auf die Toilette, immer mit der Angst wieder alles voll Blut zu haben.
Irgendwie erinnert mich das an meine erste Periode. Ich fand es den puren Horror, meine Mutter hat versucht es für mich so angenehm wie möglich zu gestalten. Von anderen Klassenkameradinnen wurde ich beneidet, dass ich die Periode schon hatte. Meine Patentante schenkte mir ein Buch, dass sich nur darum drehte, wie toll die "Mondzeit" für eine Frau ist. Ich konnte es nie nachvollziehen. Für mich bedeutete es alle 28 Tage für mindestens eine Woche wie ein Schwein zu bluten, mich vor Schmerzen zu übergeben oder gleich in Ohnmacht zu fallen. Außerdem musste ich immer aufpassen, dass ich dunkle Kleidung trug in der man die Blutflecken nicht sah. An Unternehmungen war kaum zu denken, musste ich doch spätestens alle zwei Stunden eine Toilette aufsuchen. Nachts schlief ich auf Inkontinenzeinlagen. Das soll schön sein?
Irgendwie geht es mir mit der Schwangerschaft jetzt ähnlich. Ich habe keine Beschwerden, zum Glück. Ich fühl mich nur im Moment emotional zu kaum was in der Lage, möchte einfach nur, dass die Wochen vorbei gehen und endlich das neue Leben beginnt. Ich habe ein unheimlich schlechtes Gewissen, dass es so ist. Das Baehrenkind ist das Wunschkind schlechthin, es könnte nur einfach schon da sein.
frau_baehr am 23. September 15
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589 - Schwächeln
Ich fange an zu schwächeln und das irritiert mich. Am liebsten würde ich alles absagen und mich in mein Bett verkriechen, Arbeiten will ich auch nicht mehr. Das ist im Moment alles so anstrengend, körperlich vor allem. Erstaunlich ist, dass mein Rücken dabei noch am Besten mitmacht.
Eigentlich hatte ich damit gerechnet Herrn Baehrs Schnupfen zu bekommen. Scheint aber nicht der Fall zu sein. Ich muss zwar immer mal wieder Husten und hab ganz leichte Ohrenschmerzen, was richtiges ist es aber nicht. Keine Ahnung was mein Körper da macht, eigentlich dachte ich ja, dass man in der Schwangerschaft eher empfindlich für Krankheiten ist und alles aufsammelt. Ich habe eher den Eindruck, dass mein Immunsystem viel besser arbeitet.
Anstrengend finde ich auch mich selbst, ich bin so dünnhäutig geworden. Alles geht mir zu nahe und überfordert mich. Ich muss ständig losheulen und bekomme immer wieder Streit mit Herrn Baehr. Wirklich was dagegen machen kann ich nicht. Und ich will das nicht nur auf die Hormone schieben.
Das ist doch echt schwierig im Moment, dabei sollte es so schön sein. Wann fängt das genießen denn nun wirklich an?
frau_baehr am 22. September 15
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588 - Verrückte Frau
Heute bin ich in Paris. Da ich etwas früh am Flughafen war hatte ich mir beim goldenen Tor einen großen Milchkaffee und ein Schokocroissant geholt und wollte das ganz in Ruhe essen. Natürlich hatte ich mal wieder ein besonderes Händchen und setzte mich in eine Sitzgruppe mit einer sehr aufdringliche verrückten Frau. Sie redete mit silch selbst und dann ständig mit mir. Außerdem breitete sie auf dem Tisch und am Fenster ihren Tabak und ihre Zigarettenpapiere aus, um die zu trocknen. Irgendwann hielt ich mir mein Handy vors Gesicht, half aber auch nix, sie redete einfach weiter mit mir. Kurz bevor ich die Flucht ergriff setzte sich noch ein Päarchen dazu und die Verrückte hatte endlich jemand anderen zum reden. Trotzdem habe ich schnell die Flucht ergriffen.
frau_baehr am 21. September 15
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