614 - Schlecht fühlen
Heute sind wir bei den Freunden von Herrn Baehr eingeladen, die seit über drei Jahren versuchen ein Kind zu bekommen. Gesprochen haben sie darüber lange nicht. Anfang des Jahres stellten die Frau und ich dann fest, dass wir beide unter der Waterei und dem unerfüllten Kinderwunsch leiden. Doch bei uns hat es ja geklappt, nach "nur" einem Jahr Wartezeit. Und jetzt fühle ich mich jedesmal schlecht, wenn wir sie treffen. In den ersten Monaten habe ich immer weite Klamotten getragen, damit ich sie nicht mit der Nase draufstoße. Das funktioniert jetzt nicht mehr.
Aber muss ich mich schlecht fühlen? Eigentlich ja nicht. Leider weiß ich aber, wie sehr man in dieser Zeit einen Hass auf alle Schwangeren hat. Ihr das zu sagen hilft ja vielleicht, es ist aber ein sehr heikles Thema. Ich sollte mich dem aber stellen, denn ich möchte nicht, dass sowas zwischen uns steht. Schwierige Sache.
frau_baehr am 17. Oktober 15
|
Permalink
|
0 Kommentare
|
kommentieren
613 - Geburtsvorbereitungskurs - Teil 2
Auf den zweiten Abend hatte ich mich schon richtig gefreut, weil mir der letzte so gut getan hat. Leider waren Herr Baehr und ich spät dran, so dass er mich dort kurz vor Kursbeginn rausgeschmissen hat. Dieser Stress hat bei mir in dem Moment Kopfschmerzen verursacht.
Zum Glück haben wir den Abend aber mit Gymnastik begonnen, nachdem wir alle reihum erzählt hatten, wie es uns in der letzten Woche ergangen ist. Ich war froh, dass ich nicht anfangen musste mit erzählen. Ich hätte nämlich ganz viel sagen können, wäre aber wahrscheinlich nicht auf die Idee gekommen über meine Schwangerschaft zu reden. Das läuft leider immer noch einfach nur nebenher.
Danach gab es dann ein ausgedehntes Gymnastikprogramm, dass wirklich gut tut. Ich muss mich hier daheim einfach mehr zwingen, solche Übungen zu machen. Oder mich überhaupt zu bewegen. Ich sitze nämlich nur rum. Mit Herrn Baehr habe ich gestern festgestellt, dass ich eigentlich nur sitze, Morgens beim Frühstück, dann den ganzen Tag vorm Rechner, danach auf dem Sofa und dann gehe ich ins Bett. Nicht besonders gut für einen angeschlagenen Rücken.
Nach der Gymnastik kam die Entspannungsübung, genau wie beim letzten Mal. Wir legten uns auf die Seite und fühlten unterschiedliche Körperteile. Dabei atmen wir tief ein und aus und stellen uns vor, durch die unterschiedlichen Körperteile (Füße, Beine, Arme usw.) auszuatmen. Mir ist es auch gestern nicht wirklich gelungen, mich richtig da herein zu fühlen. Aber ich versuche es, vielleicht gelingt es nach den sieben Wochen.
Lustig für mich war nur ein Bild, dass die Hebamme uns beschrieben hat. Wir sollten zum Kind fühlen, nachdem wir tief in den Bauch ein- und ausgeatmet hatten. Falls wir es noch nicht spüren können, sollten wir uns vorstellen, dass es wie ein Vogel ist dem man die Hand hinstreckt, entweder er hüpft drauf oder nicht. Irgendwie so war das, ich erinnere mich nicht genau an den Zusammenhang und Wortlaut. Bei mir war schon Schluss, als sie davon sprach, dass man die Hand zum Vogel streckt. Hier bei unseren Vögeln lösen Hände Panik aus, da werden die Hauben aufgestellt und gefaucht. Im schlimmsten Fall fliegen sie panisch und kopflos davon. Das Baehrenkind hat sich in dem Moment auch wie unsere Vögel verhalten, zumindest fühlte es sich so an, da es in alle Richtungen um sich getreten hat.
Nach der Gymnastik und Entspannung ging es dann mit den Sachen weiter, die in den letzten Wochen vor der Geburt wichtig sind. Mir ist aufgefallen, dass ich doch noch so einiges ändern muss. Wichtig hierbei sind für mich vor allem folgende Punkte:
Ernährung, ich esse zu ungesund. Ich möchte mehr Obst und Gemüse und weniger Fleisch, Fett und künstliche Geschmacksstoffe essen. Empfohlen hat die Hebamme auch auf Weißmehl und weißen Zucker zu verzichten. Das finde ich doch sehr schwer, vielleicht kann ich das aber in Teilen umsetzten. Statt einem Weißmehlbrötchen sollte ich am Wochenende einfach ein Vollkornbrötchen essen. Nutella muss aber trotzdem sein, ohne geht nicht.
Bewegung, ich bewege mich, wie oben schon geschrieben, viel zu wenig. Ich muss zusehen, dass ich einfach etwas mehr in Schwung komme. Mir fest etwas vornehmen funktioniert nicht, dann fühle ich mich gezwungen und habe keinen Spaß. Trotzdem sollte ich von Tag zu Tag schauen, was mir an Bewegung zusagen sollte, Gymnastikübungen, Yoga, ein Spaziergang, oder ganz etwas anderes.
Körperpflege. Ich pflege mich, keine Frage. Trotzdem ist es wohl besonders wichtig, der Haut während der Schwangerschaft das zu geben, was sie braucht, viel Feuchtigkeit. Und da bin ich oft etwas faul, habe oft keine Lust mich noch einzucremen oder einzuölen. Das sollte ich mir angewöhnen, spielt auch in den nächsten Punkt rein.
Mir etwas gutes tun und mich wohlfühlen. Genau das mache ich im Moment viel zu wenig. Ich stresse mich viel zu sehr und lasse mich nicht auf die Schwangerschaft und diese besondere Zeit ein. Ich möchte wieder mehr Zeit für die schönen Dinge haben. Und vor allem auch noch die letzten Wochen Zweisamkeit mit Herrn Baehr genießen. Wenn das Baehrenkind mal da ist, wird es bestimmt anstrengend genug, ich kenne mich.
Zum Abschluss erklärte die Hebamme uns noch, wie wir unseren Körper auf die Geburt und das Stillen vorbereiten können, abgesehen von den bereits erwähnten Punkten. Viel Bewegung ist gut, wir haben ja auch vom letzten Mal Übungen als Hausaufgaben aufbekommen. Außerdem erklärte sie uns, wie wir in den letzten Wochen vor der Geburt den Damm massieren können und die Brustwarzen auf die Belastung beim Stillen vorbereiten können. Hierauf wird sie aber in einer der nächsten Stunden auch noch eingehen.
Nach Hause hat mich dann nach dem Kurs eine andere Frau mitgenommen, da ja Herr Baehr mich nur abgesetzt hatte. So ganz in Kontakt gekommen sind wir noch nicht, aber ich denke es war ein Anfang. Sympathisch ist sie mir und weit weg wohnt sie auch nicht. Ich warte einfach ab, was sich noch so ergibt. Kontakte hier zu haben wäre aber schön.
frau_baehr am 16. Oktober 15
|
Permalink
|
0 Kommentare
|
kommentieren
612 - Herr Baehr und das Auto
Herr Baehr und ich haben ein Auto, völlig ausreichend, wie ich finde. Meist ist es so, dass Herr Baehr mit dem Auto fährt, wenn er wohin muss und ich mit den Öffentlichen fahre. Das bedeutet für mich in der Regel, sehr lange unterwegs zu sein. Herr Baehr braucht 40 Minuten mit den Öffentlichen zur Arbeit, ich brauche fast 2 Stunden, wenn ich in unser Büro muss. Genauso zum Flughafen oder Fernbahnhof.
Viele verstehen nicht, warum ich nicht mit dem Auto fahre. Der heutige Tag ist ein gutes Beispiel, warum ich das nicht tue. Denn heute ist das Auto hier geblieben und Herr Baehr ist mit Bus und Bahn zur Arbeit gefahren. Schon die ganze Woche war er schlecht darauf zu sprechen, musste aber gestern einsehen, dass es einfach anders nicht geht. Wegen der festen Abfahrtszeit des Busses hätte er heute früh früher aufstehen müssen, worauf er aber keine Lust hatte. Also hatte er kaum Zeit im Bad. Das verdirbt ihm die Laune, alleine schon der Gedanke an die Fahrt mit den Öffentlichen. Ich bekomme das alles ab, so auch heute Morgen. Wenn ich noch versuche nett zu ihm zu sein (habe ihm Kleingeld für den Bus zurechtgelegt, weil er gestern meinte nichts mehr zu haben), wird es noch schlimmer.
Ich bekomme ein bisschen Panik vor dem Moment, wo ich mit ihm besprechen muss, dass das Auto bei demjenigen bleibt, der das Baehrenkind betreut. Und das wird die ersten acht Monate für ihn bedeuten mit den Öffentlichen ins Büro zu fahren. Geld für ein zweites Auto haben wir nicht. Ich sehe es auch nicht ein, ein zweites Auto zu kaufen, wo die Anbindung hier doch recht gut ist, gerade zu Herrn Baehrs Büro. Ich befürchte nur, dass er darüber noch nicht nachgedacht hat und denkt, dass er dann auch weiterhin Auto fahren kann. Das würde für mich aber bedeuten auf den Bus und die Bahn angewiesen zu sein. Mit einem Säugling im Winter und bei Bussen, die tagsüber selten fahren, keine gute Idee. Und die Leute immer zu bitten zu mir zu kommen, finde ich auch nicht gut. Ob wir dafür eine Lösung finden, ohne dass Herr Baehr wochenlang schlechte Laune hat? Ich bezweifele es.
frau_baehr am 15. Oktober 15
|
Permalink
|
0 Kommentare
|
kommentieren