Mittwoch, 14. Oktober 2015
611 - Ich hasse Schnee
Ich wollte es ja nicht glauben, als die Hebamme letzte Woche im Kurs erwähnte, dass es diese Woche schneien soll. Damals dachte ich noch, dass sie sich verhört hat. Schnee im Oktober, wann gab es das zuletzt? Zumindest hier in den Mittelgebirgen und eben nicht ganz oben ist das eher ungewöhnlich. Doch seit gestern wurde immer wieder vor Schneefall und Glätte gewarnt. Super, wir haben noch die Sommerreifen drauf und erst nächste Woche einen Termin zum wechseln.

Ich war richtig froh, als ich heute Morgen aufgestanden bin und es draußen aussah wie immer. Ich mag Schnee einfach nicht, man kann eigentlich sagen, dass ich ihn hasse. Schnee hier ist selten schön, er wird schnell zu Matsch. Man muss dann aufpassen, dass man nicht mit völlig durchweichten Füßen dort ankommt, wo man hinwill. Außerdem vergessen bei der ersten Schneeflocke die meisten Autofahrer, wie man das Auto bedient. Von der Bahn wollen wir gar nicht reden. Gerade hier im Taunus, wo sie "über den Berg" fahren muss, könnte man meinen, dass für freie Strecken gesorgt wird. Wird es aber nicht und so kann es passieren, dass man im Winter bei Schnee vorm Berg aussteigen muss und dann eben sehen muss, wie man weiterkommt.

Was ich noch nicht an Schnee mag, es ist kalt. Ich bin eine Frostbeule, ich mags lieber warm. Gut, nicht so warm wie diesen Sommer, das war extrem. Aber schön warm, mit Sonne, so dass man eine kurze Hose tragen kann, das finde ich super. Wie oft habe ich schon gehört, dass es nicht zu kalt ist, sondern ich nur falsch angezogen bin. Mir ist es aber ein Rätsel, was man noch alles anziehen soll und kann. Mir ist einfach kalt. Und mein Gesicht bedecken kann ich nicht. Vielleicht sollte ich mir für den Winter eine Burka zulegen. Die sind ja auch schön weit, da kann man bestimmt noch prima was drunterziehen und der ganze Körper ist verhüllt und somit vor dem eisigen Wind geschützt. Wie wohl ich mich dann noch fühle ist eine andere Frage.



Dienstag, 13. Oktober 2015
610 - Nur einmal im Leben
Jetzt wo es auf die Hochzeit zugeht, denke ich oft darüber nach, dass mir so viele Menschen sagen, dass ich das alles genießen soll, da ich ja nur einmal im Leben heirate. Dem kann ich nicht so ganz zustimmen. Natürlich glaube ich im Moment, dass ich mit Herrn Baehr den Rest meines Lebens verbringen möchte, deswegen heirate ich ihn auch. Wäre ich nicht davon überzeugt, würden wir das absolut falsche machen.

Ich bin ein Scheidungskind und leide darunter nicht. Ich habe kein Trauma davongetragen oder schleppe sonst irgendwelche Probleme mit mir herum. Natürlich ist bei uns auch nicht alles problemlos gelaufen und zwischen meinem Vater und meiner Mutter gab es Reibereien, alles in allem war diese Trennung aber eine absolute Bereicherung für mich und meine Schwester.

Meine Eltern trennten sich, als ich noch recht jung war. Wann genau kann ich gar nicht sagen, ich erinnere mich nicht. Ich bin auf jeden Fall schon zur Schule gegangen. Mit dem Auszug meines Vaters ist mein Stiefvater eingezogen. Für viele vielleicht auf den ersten Blick eine etwas merkwürdige Situation, jedoch kannten die beiden sich bereits. Als meine Eltern feststellten, dass es zwischen ihnen nicht mehr klappt, beschlossen sie sich zu trennen und mein Vater schlug meiner Mutter vor, sich mal mit meinem Stiefvater zu verabreden. Das war die beste Idee, die er hätte haben können.

Bald feiern meine Eltern, das sind meine Mutter und mein Stiefvater, Silberhochzeit. Es ist irgendwie verrückt, dass sie wirklich schon so lange verheiratet sind, aber es ist toll. Die beiden sind glücklich damit. Genauso mein Vater und meine Stiefmutter, die nur kurz nach meinen Eltern geheiratet haben. Meine Eltern, also mein Vater und meine Mutter, dachten bestimmt bei ihrer ersten Hochzeit auch, dass es etwas einmaliges ist. Die Zeit hat aber gezeigt, dass es das nicht war und das es für alle gut war. Mir hätte sicher nichts gefehlt, wäre es anders gekommen, weil ich es nicht gewusst hätte. Aus heutiger Sicht aber möchte ich mein Leben mit zwei Vätern, die mich beide lieben, nicht mehr missen.



Montag, 12. Oktober 2015
609 - Gelesen 2015 - Der letzte Zug nach Istanbul
Die Beschreibung des Buches Der letzte Zug nach Istanbul von Ayse Kulin hört sich spannend an. Es soll von der Flucht von Selva und ihrem Mann Rafael, einem Juden, aus Frankreich während des zweiten Weltkrieges erzählen. Leider ist das nur ein Teil der Geschichte die erzählt wird. Meiner Meinung nach hätte so viel aus Selvas und Rafaels Geschichte gemacht werden können, bis kurz vor Ende des Buches waren sie aber mehr Nebendarsteller.

Das Buch erzählt nämlich auch noch die Geschichte von Selvas Schwester Sabiha und ihrem Mann Macit, der im türkischen Außenministerium arbeitet. Warum die Probleme der beiden hier thematisiert werden, ist mir ein Rätsel. Sie haben nichts mit dem Fortgang der Geschichte zu tun und sind völlig überflüssig. Genauso viele der Verhandlungen, die Wort für Wort wiedergegeben werden. Sicherlich wichtig für den geschichtlichen Zusammenhang, jedoch sehr langatmig und in vielen Punkten auch einfach zu viel.

Die Geschichten der anderen Mitreisenden werden nur angerissen oder mitten im Buch erzählt, so dass man sich lange fragt, was dieses zusammenhangslose Kapitel nun sollte. Hinzu kommen Erlebnisse und Geschichten, die für den Fortgang völlig irrelevant sind.

Ich hatte lange überlegt das Buch nicht weiter zu lesen, wollte dann aber wissen, ob sie es schaffen sich zu retten. Schade war, dass die eigentliche Zugfahrt und die Rettung an sich nur die letzten Seiten des Buches eingenommen hatte. Ganz klar von meiner Seite keine Leseempfehlung.