Wir wohnen in einer ruhigen Straße am Dorfrand. Als wir das Haus angeschaut haben sagte der Makler, dass die Nachbarn hier sehr nett wären. Sie würden am Wochenende durchaus mal mit einem Kuchen zum Nachbarn gehen. Ganz so konservativ ist es nicht, hier geht man eher mit einem Bier zum Nachbarn. Große Ereignisse werden zusammen gefeiert. Und ganz konservativ gibt es zu den Geburtstagen der Frauen Kaffeekränzchen. So ganz integriert sind wir nicht, viele wohnen seit beinah 30 Jahren hier und kennen sich dementsprechend gut. Und natürlich sind sie auch dementsprechend älter als wir. Das macht aber nichts, denn wie gesagt, sie sind alle sehr nett.
Und da große Ereignisse zusammen gefeiert werden, wird auch die Fußball-EM zusammen geschaut. Herr Baehr und ich konnten bisher nicht hin, da das Baehrenkind ja immer gegen acht ins Bett geht. Außerdem sind wir beide keine riesigen Fußballfans. Heute aber war das Deutschlandspiel schon früher und so sind wir schräg gegenüber im Partykeller eingekehrt. Das Baehrenkind war beeindruckt und die Nachbarn begeistert. Endlich konnten alle mal nach der kleinen Maus schauen. Jetzt ist auch sie in der Nachbarschaft integriert.
Das Baehrenkind schläft sehr schlecht ein. Pucken funktioniert nicht mehr, sie hat zu viel Kraft und befreit sich. Also müssen wir die Arme festhalten, anders geht es nicht. Aber auch das hilft nicht immer. Manchmal wälzt die sich dann doch unruhig hin und her odr weint. Da hilft es wenn man ganz leise redet. Irgendwann fällt einem nur nichts mehr ein, also hab ich heute angefangen vorzulesen. Das Baehrenkind und ich lesen jetzt Harry Potter.
Die Tage habe ich
All dein Schweigen von Laura Mercuri zu Ende gelesen. In diesem Buch wird die Geschichte von Emilia erzählt. Mit dem wenigen Geld, dass ihre Mutter für sie zur Seite gelegt hat, flieht sie nach deren Tod vor ihrem gewalttätigen Vater und ihren Brüdern in das kleine Dorf Bren. Die Bewohner dort stehen neuen Mitbürgern nicht gerade offen gegenüber und so hat Emilia auch mit der Ablehnung zu kämpfen. Doch ihr gelingt es zuerst einen Job bei Emma im Blumenladen und später auch bei Helga im Buchladen zu bekommen. Mit beiden freundet sie sich an, genauso mit Benedetto und seiner Frau Linda, die die örtliche Bar leiten. Und dann ist da noch Aris, der Schreiner. Ein schweigsamer Typ, in den Emilia sich sofort verliebt. Und auch Aris findet an Emilia gefallen. So werden die beiden recht schnell ein Paar und entdecken wie schön Liebe sein kann. Doch sie werden beide von ihrer Vergangenheit eingeholt.
Ich muss sagen, dass mir Aris nicht grade sympathisch war, aber auch Emilia mochte ich nicht wirklich. Sie war sehr naiv in vielen Punkten, was vielleicht noch auf ihre Kindheit und Jugend zurückzuführen sein könnte, in vielen Dingen wusste sie aber auch wieder ganz genau Bescheid. Aris und sein Schweigen waren mir unsympathisch, vielleicht auch, weil ich Menschen nicht gut lesen kann und darauf angewiesen bin, dass man mit mir spricht. Trotzdem ein nettes Buch für zwischendurch.