Ich hatte mir ja vorgenommen jeden Tag drei Liter Wasser zu trinken. Am Anfang hat das auch dank einer App gut geklappt. Ich dokumentier ja gerne und trag gerne Dinge irgendwo ein. Für andere muss es aber ganz schön nervig sein, wenn jemand ein Glas Wasser abkippt und dann zum Handy greift. Außerdem habe ich das Handy nicht immer bei mir, versuche ich doch vor dem Baehrenkind nicht als das Handy vorm Gesicht zu haben. Also habe ich aufgehört die App zu benutzen, hab schnell den Überblick verloren und war nicht mehr motiviert. Aus drei Litern wurden eher zwei und selbst das schaffe ich an manchen Tagen nicht.
Manchmal ist es aber auch schwer so viel zu trinken. Den viel trinken bedeutet auch, dass auch wieder viel raus muss. Unterwegs nicht immer unbedingt passend. Außerdem spannt mich das Baehrenkind so ein, dass ich es manchmal einfach nicht schaffe zu trinken. Immerhin sagt mein Körper mir jetzt viel schneller wenn er Durst hat.
Gestern habe ich es endlich geschafft die Zeit zu finden die letzten Seiten von
Welche Farbe hat die Wahrheit zu lesen. Dieses Buch erzählt die Geschichte von Louisa und ihrer Mutter Eva. Eva lernt während dem zweiten Weltkrieg Bill kennen, ein US-Amerikanischer Soldat, der in England stationiert ist. Die beiden verlieben sich ineinander und beginnen eine geheime Affäre. Niemand soll von ihrer Liebe erfahren, denn Bill ist dunkelhäutig und Eva eigentlich noch verheiratet, obwohl ihr Mann vermisst wird. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse, Eva wird von Bill schwanger, dieser in ein anderes Lager versetzt, Evas Mutter kommt ums Leben und zu allem Übel taucht auch noch Eddie, ihr vermisster Mann auf. Dieser hat viel im Krieg erlebt und kommt als anderer Mensch nach Hause. Er hat kein Problem damit das farbige Baby anzunehmen und zieht Louisa wie sein eigenes Kind groß.
Louisa spürt aber schnell, dass sie anders ist als die anderen. Immer wieder begegnet sie Vorurteilen und wird beschimpft. Sie erfährt sexuelle Gewalt und eine traurige Ehe. Das alles sorgt dafür, dass Louisa sich unter langen Kleidungsstücken versteckt und ihre Haare so gut es geht mit Hüten bedeckt und glatt bzw. zu großen Locken stylt. Doch die Geburt ihrer zweiten Tochter Rhiannon sorgt dafür, dass sich alles ändert, denn Rhiannon hat einen viel dunkleren Hautton als Louisa und ihr Erstgeborener Tom.
Mir hat das Buch gut gefallen, irgendwann hatte ich das Bedürfnis es zum Ende zu bringen, weil ich einfach wissen wollte, wie es sich für alle auflöst. Traurig ist, dass solche Geschichten wirklich passiert sind. Die Autorin schreibt am Ende des Buchs, dass sie viele Gespräche mit Betroffenen geführt hat und versucht hat deren Gefühle und Sichtweisen in den Roman einfließen zu lassen.
Etwas schwierig fand ich Eddie. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich ein Mensch derart ändert. Er wird zu Beginn des Buches als ein sehr unsympathischer Mensch beschrieben, der schnell verurteilt und seinen eigenen Sohn nicht akzeptieren möchte, da dieser ein Geburtsmahl im Gesicht hat. Doch der Krieg und seine Erlebnisse, Gefangenschaft in Birma, Schiffsbruch und anschließende Pflege in einem amerikanischen Krankenhaus durch einen farbigen Pfleger, machen ihn zu einem komplett anderen Menschen, der alles akzeptiert und für jeden da ist. Ob der Krieg Menschen so stark verändern kann weiß ich nicht. Das der Krieg Menschen verändert und vor allem ein solcher Krieg, das glaube ich gerne.
Das Baehrenkind wird heute 6 Monate alt. Seit sie nicht mehr so schlimm schreit rast die Zeit. Das ist echt der Wahnsinn, wie habe ich mir gewünscht, dass sie älter wird und mehr kann, immer in der Hoffnung, dass sie weniger schreit. Und jetzt mit einem halben Jahr kann sie so viel. Sie stemmt sich hoch, rollt und robbt. Sie blubbert mit den Lippen, dass die Spucke nur so fliegt, sie ist eine verdammt gute Esserin und trinkt aus einem Glas, sie hat endlich die Daumen ausgeklappt und greift richtig, sie kann ab und zu ins Klo machen, sie schläft in ihrem eigenen Bett und und und. Unser kleines Mädchen ist schon verdammt groß. Und sie wächst immer weiter und entwickelt sich.
Und noch etwas haben Herr Baehr und ich in den letzten 6 Monaten festgestellt, wir sind absolute Familienmenschen. Ohne das Baehrenkind wollen wir gar nicht sein. Wir haben nicht das Bedürfnis sie abzugeben um auszugehen. Und wir vermissen unser altes Leben nicht. Es hat sich vieles verändert, es ist aber auch viel geblieben. Gekommen ist auf jeden Fall unendliches Glück und tiefe Liebe.