Freitag, 28. März 2014
046 - Gerüche
Ich bin ja sehr geruchsempfindlich. Frauen mit starkem Parfümgeruch kann ich gar nicht ab, genauso Menschen, die ungepflegt riechen. Ich rieche Dinge, die andere nicht riechen und hab mich oft schon gefragt, ob das normal ist oder ob ich es mir nur einbilde. Herr Baehr meint ich wäre wie ein Spürhund, nutzt meine gute Nase aber immer wieder aus, um feststellen zu lassen, ob man etwas noch essen kann oder nicht.

Manchmal ist so eine gute Nase aber auch nicht schlecht. Jetzt im Frühling zum Beispiel wo alles blüht und eben auch dementsprechend gut duftet. Da könnte ich die ganze Zeit nur einatmen, um all die schönen Gerüche aufzusaugen.

Gestern dann wieder ein ganz besonderes Geruchserlebnis. Ich musste mal wieder zu Fuß vom Kunden zum Hotel laufen, da mal wieder Bus und Bahn bestreikt wurden. Bei dem schönen Wetter auch kein Problem, vor allem führt der Weg durch eine gepflegte Wohngegend mit schön angelegten Vorgärten. An einem der Häuser war die Kellertür geöffnet und aus diesem Keller kam ein so extrem vertrauter Geruch. Es roch genauso wie in dem Keller, in dem wir auf dem schönsten Zeltlager der Welt die Lebensmittel lagern. Es war fast wie ein Schlag, aber ein positiver, der mich in diesen Keller versetzte und so viele schöne Erinnerungen hervorgerufen hat.

Diesen Kellergeruch verbinde ich mit Kindern, die sich nach tagelangem Sträuben endlich für die Dinge, die wir dort tun, öffnen. Mit klatschnassen, frierenden, aber glücklichen Kindern, die ein Bad im Fluß genießen durften. Mit einer wunderbaren Gemeinschaft mit Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Mit dem Ehepaar, dass uns seit Jahren den Platz und den Keller zur Verfügung stellt und uns jedes Jahr mit offenen Armen empfängt. Mit Liedern, Gebeten und Andachten in einem Zelt am Abend. Mit Dixi-Klos, einer Gartenschlauchdusche und Gaskochern. Mit Hitze, kühlem Schatten und Sturm. Es sind tausende Erinnerungen, die dieser eine Geruch hervorgerufen hat. Vor allem hat dieser Geruch eine unglaubliche Sehnsucht hervorgerufen, Sehnsucht nach diesem Ort und der dortigen Gemeinschaft. Schade, dass ich mich dieses Jahr gegen eine Teilnahme entschieden habe. Aber ich kann ja zu Besuch kommen und das werde ich auf jeden Fall tun. Ich freu mich schon jetzt unglaublich darauf.



Donnerstag, 27. März 2014
045 - Der Fleisch-Kunde
Ich bin zur Zeit wieder beim Fleisch-Kunden, also der Kunde, dessen Kantine keine Alternative zu Fleischgerichten anbietet. Somit ist mein Vorhaben, unter der Woche fleischlos zu essen, doch sehr schwierig umzusetzten. Ich will mich ja auch nicht kasteien, habe es heute aber irgendwie doch getan und nur Beilagen gegessen. Nicht besonders lecker und auch nicht besonders satt-machend.

Mir ist nicht klar, warum es für Vegetarier oder Menschen, die weniger Fleisch essen möchten in Kantinen und Lokalen so wenige Alternativen gibt. Gibt es sie ist es meist ein fades Essen, ohne viel Geschmak oder es besteht eben nur aus Beilagen. Alternativ bekommen Vegetarier gerne auch einfach nur Salat angeboten. Dabei gibt es doch so viele Möglichkeiten etwas ohne Fleisch zu machen, dass satt macht und schmeckt. Das würde aber bedeuten, dass die Köche von ihren Standardgerichten, und die werden hier wirklich sehr regelmäßig gekocht, abrücken müssten und was neues lernen müssten.

Vor kurzem gab es auf Vorablesen einen Einblick in das erste Kochbuch von Andi Schweiger, ein vegetarisches Kochbuch von einem Nichtvegetarier. Zu lesen waren die Einleitung und einige Rezepte, die thematisch ins Frühjahr passten. In der Einleitung beschreibt Andi Schweiger, dass er zwar kein Vegetarier ist, jedoch darauf achtet nur wenig und dafür gutes Fleisch zu essen. Eine lobenswerte Einstellung, etwas, was mir noch nicht wirklich gelingt. Außerdem schreibt er, dass er es so schade findet, dass Gerichte für Vegetarier immer irgendwie langweilig sind und das so sein Kochbuch entstanden ist. Neugierig davon habe ich dann durch die Rezepte geschaut und war schon fast wieder enttäuscht, denn das war genau das andere Extrem. Man brauchte nicht nur unmengen an Zutaten, sondern auch viel Zeit und viele verschiedene Küchengeräte. Vielleicht sind ja im Rest des Buchs, der natürlich nicht zu sehen war, noch einige einfache Rezepte. Denn einfache und leckere vegetarische Rezepte braucht es, damit man die Fleischliebhaber überzeugen kann, das auf Fleisch verzichten eben nicht auf Geschmack verzichten heißt.



Mittwoch, 26. März 2014
044 - Ist die Entscheidung schon getroffen?
Heute Nacht bin ich wach geworden und hab ganz klar gedacht, nein, ich will diesen Job gar nicht. Aber heute Morgen war ich mir gar nicht mehr so sicher, ob das wirklich eine finale Entscheidung war. Das wäre ganz schön schnell und voreilig entschieden.

Heute Morgen hab ich einem Kollegen kurz von dem Gespräch berichtet. Er hatte vor einigen Tagen ein recht ähnliches Gespräch, so dass ich gestern auch schon wusste, was auf mich zukommt. Er hatte eigentlich gesagt, dass er das Angebot auf keinen Fall annehmen wird, da ihm die Firma und die Art, wie Projekte gestaltet werden, nicht zusagt. Heute meinte er aber, dass er es auf sich zukommen lassen wird und jetzt erstmal abwartet. Das ist auch wieder ein Punkt, der mich verunsichert, obwohl ich meine Entscheidung wirklich nicht von einer anderen abhängig machen sollte.

Die Pro- und Contraliste habe ich nur in meinem Kopf angefangen. Irgendwie fällt mir außer dem materiellen nicht wirklich was für die Pro-Seite ein, was auch wieder gegen den Job sprechen würde.

Contra wäre auf jeden Fall das viele reisen. Und auch das geplante Familienleben, das dann an Herrn Baehr hängen bleiben würde. Dagegen hätte ich noch nichtmal wirklich was, ich finde die Idee sich die Kinderbetreuung aufzuteilen und nicht dem klassischen Mutti-Vati-Rollenverständnis zu folgen sehr gut. Und Herr Baehr ist von dem Konzept mittlerweile auch überzeugt, er findet die Idee eine zeitlang daheim zu bleiben sogar sehr reizvoll. Aber gar nicht mehr am Familienleben teilnehmen zu können, weil man die Tage und Nächte irgendwo in Zügen, Büros und Hotels verbringt, das will ich auch nicht.

Ein großer Contra-Punkt ist auch, dass ich schon seit drei Jahren knapp in diesem Umfeld arbeite und weiß wie die mich bewerbende Firma so tickt. Da gibt es vieles, was für mich nicht für ein Arbeitsumfeld spricht, in dem ich arbeiten möchte. Angefangen bei sehr kurzfristiger Planung, über unstrukturiertes Arbeiten, bis zum mittragen nicht fähiger Mitarbeiter und damit verbunden immer wieder Fehler, die gegenüber dem Kunden vertuscht werden.

Sie sehen, es ist schwierig. Andererseits, Geld ist nicht alles und vor allem macht viel Geld nicht unbedingt viel glücklicher.