Montag, 14. September 2015
581 - Gelesen 2015 - Grüße und Küsse an alle
Bestimmt das Buch, dass mich dieses Jahr am meisten bewegt hat, Grüße und Küsse an alle: Die Geschichte der Familie von Anne Frank von Mirjam Pressler. Es gab eine Zeit in meiner Jugend, da habe ich alles verschlungen, was mit Anne Frank zu tun hatte. Ich weiß auch nicht, wie oft ich das Tagebuch schon gelesen habe, einige Male auf jeden Fall. Zuletzt in diesem Jahr in der Gesamtausgabe, die ich bisher noch nicht zu Ende gelesen habe.

Der Titel des Buches "Die Geschichte der Familie von Anne Frank" ist vielleicht nicht wirklich gut gewählt. Erzählt wird in diesem Buch die Geschichte der Familie Frank, also eigentlich die Geschichte der Familie von Otto Frank. Entstanden ist das Buch aus vielen alten Briefen, die die Familie sich in der Zeit von Mitte des 19. Jahrhunderts bis in das 20. Jahrhundert hinein geschrieben hat. Entdeckt hat diese Briefe Gertie Elias, die Frau von Annes Cousin Buddy. Ihr ist es also zu verdanken, dass wir einen solch intimen Einblick in das Familienleben bekommen können.

Ich kann meine Gefühle zu diesem Buch nur schwer in Worte fassen, war aber begeistert und habe es in einem Rutsch weggelesen. Mich beeindruckt welch ein Zusammenhalt in der Familie besteht, wie liebevoll sie miteinander umgehen und welchen Respekt sie einander entgegenbringen. Von dieser Familie können sich viele Menschen heute eine Scheibe abschneiden.

Für mich war auch noch einmal besonders wichtig zu erfahren, wie die Familie und besonders Otto Frank mit der Berühmtheit von Anne umgegangen sind. Und wie man verhindern kann zu vergessen, dass er noch eine zweite Tochter, Margot hatte. Es ist sehr schade, dass von Margot alle Aufzeichnungen verloren gegangen sind und deswegen ist es besonders wichtig auch immer wieder an sie (und natürlich alle anderen Hinterhausbewohner) zu erinnern, zumindest für mich.



Sonntag, 13. September 2015
580 - Alles so süß
Die kleinen Kleidungsstücke für das Baehrenkind sind einfach nur unglaublich süß. Ich habe sie heute sortiert und mit unserer Wäsche gewaschen. Einige Teile wollte ich nicht in den Trockner stecken, so wie die winzig kleinen Jeans. Diese habe ich mit den Jeans von Herrn Baehr und mir aufgehängt. Gerade der Vergleich mit Herrn Baehrs Hosen ist extrem.

So langsam bin ich immer mehr bereit für das Baehrenkind. Da wir aber heute erst Halbzeit haben muss ich noch etwas warten und mich an der Vorfreude erfreuen. Und natürlich noch mehr süße Sachen kaufen.



579 - Kinderflohmarkt
Heute waren die Studienfreundin und ich auf einem Kinderflohmarkt. Als Schwangere darf man eine halbe Stunde eher rein, da waren schon einige da. Gut fand ich, dass alles nach Größen sortiert war und nicht jeder was angeboten hat. Leider war alles nach Jungen und Mädchen aufgeteilt, wo sollte ich da suchen? Ich habe dann bei den Jungssachen geschaut, die waren eher neutral. Besonders genial finde ich eine Latzhosenjeans und eine Fleecejacke. Beides sollte im Frühjahr passen, wo Herrn Baehrs Eltern angedacht hatten mit der ganzen Familie nach Holland ans Meer zu fahren. Wenn das Baehrenkind kein Problem mit dem Autofahren hat, würde ich da mitfahren.

Aber ich schweife ab. Zurück zum Flohmarkt. Schon nur mit den Schwangeren fande ich es anstrengend. Gedrängel, Gewühle und Geschubbse. Und einfach viel zu viel Körperkontakt. Aber noch so, dass man schauen konnte. Als dann alle reindurften wurde es Horrormäßig und wir sind geflüchtet. Da hätte ich nicht länger bleiben wollen.



Freitag, 11. September 2015
578 - Die Hormonachterbahn
Launisch bin ich schon immer gewesen. Ich habe eine genaue Vorstellung, wie alles ablaufen muss. Passiert das nicht, kann ich wütend, traurig, eingeschnappt und völlig hilflos zugleich sein. Ein Zustand den ich an mir nicht mag und den Herr Baehr (verständlicherweise) hasst. Jetzt spielen da auch noch die ganzen Hormone mit rein, das macht die Sache nicht grade leichter. Da kann die Aufteilung der Putzaufgaben schonmal zum größten Krach seit Wochen ausarten.

Schlimm finde ich vor allem, dass ich zwischen fröhlich und traurig innerhalb von Sekunden unfreiwillig umschalte. Erst gestern war wieder so eine Situation. Ich war gut drauf, als Herr Baehr heimkam, wir alberten rum, alles war gut. Doch in meinem Hinterkopf war immer wieder die Stimme, die mir sagte, wir müssen klären wer Samstag wann wo ist und wer das Auto mitnimmt. Herr Baehr hatte keine Lust darüber nachzudenken und hat das Gespräch sofort abgeblockt und ist zu einer Sitzung ins Bad verschwunden. Danach hat er gelesen. Ich bin zuerst wütend geworden, dann kamen die ganzen Gedanken. Ich muss alles alleine machen, er interessiert sich nicht für mich. Und schon war ich todtraurig und hab geheult. In solchen Situationen finde ich mich selbst extrem anstrengend. Das sehe ich aber leider erst hinterher.

Und noch etwas macht mir zu schaffen. Alle glauben, dass das Baehrenkind ein Junge wird. Ich bin mittlerweile ja auch schon überzeugt. Nachdem beim letzten Ultraschall jetzt aber gar nichts zu sehen war, klammere ich mich wieder an die Hoffnung, dass es ja doch ein Mädchen sein könnte. Ich wollte immer ein Mädchen, warum weiß ich nicht. Ich mache mir Vorwürfe, dass ich überhaupt so denke. Eigentlich sollte es mir so egal sein, was das Baehrenkind ist, hauptsache es existiert. Es ist das, was ich mir das ganze letzte Jahr so sehr gewünscht habe. Und trotzdem habe ich Angst enttäuscht zu sein, sollte es ein Junge werden. Dabei wäre das doch gar nicht schlimm, ich kenne es nur einfach nicht.